Bei geschätzten 43.000 Neuerkrankungen an Prostatakrebs pro Jahr stellt diese Tumorart die häufigste Krebstodesursache des älteren Mannes in Deutschland dar. Bei jedem einzelnen Betroffenen stellt sich die Frage nach der individuell optimalen Therapie, die häufig kontrovers diskutiert wird. Die Alternativen heißen Radikaloperation oder abwartende Kontrolle ("watchful waiting").

Eine Studie der Mediziner der Universität Uppsala zeigt nun erstmals klare Vorteile der Operation gegenüber einer abwartenden Kontrolle. Dabei wurden 697 Patienten mit einem Prostatakrebs im Frühstadium randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei der ersten Gruppe wurde eine Radikaloperation der Prostata durchgeführt (347 Patienten) wohingegen in der zweiten Gruppe (348 Patienten) lediglich regelmäßige Kontrollen und bei Tumorwachstum nicht-operative Therapien eingesetzt wurden.

Nach einer medianen Nachbeobachtung von 8,2 Jahren zeigte sich, dass in der Radikaloperation-Gruppe 30 Patienten (8,6 Prozent) tumorbedingt verstarben, wohingegen in der zweiten - lediglich kontrollierten - Gruppe 50 Patienten (14,4 Prozent) im gleichen Zeitraum am Prostatakrebs verstorben sind. Neben einer Senkung der Sterblichkeit in der Gruppe der operierten Patienten zeigte sich als zweiter, wesentlicher Aspekt der Studie, dass in der operierten Patienten-Gruppe deutlich weniger Metastasen (10,7 Prozent weniger) und lokale Komplikationen (25,1 Prozent weniger) auftraten als in der nicht-operierten Gruppe.

Diese Beobachtung ist nach Ansicht der Studienleiter deshalb wichtig, weil Metastasen erhebliche Schmerzen und Probleme im Krankheitsverlauf bereiten. Natürlich müsse die Entscheidung zur Operation von einer Reihe weiterer Faktoren wie unter anderem Patientenalter und Begleiterkrankungen abhängen.

MEDICA.de; Quelle: The New England Journal of Medicine 2005, Vol. 352, S. 1977-1984