Bessere Information für Patienten

Foto: Geld und stethoskop

Selbstzahlerleistungen sollen in Zukunft
kritischer betrachtet werden; © panther-
media.net/Reinhold Föger

Vor Kurzem ist der neu gefasste IGeL-Ratgeber von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung erschienen. DNEbM hat an dem Ratgeber mitgewirkt und unterstützt das Ergebnis ausdrücklich.

Selbstzahlerleistungen, auch als Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) bezeichnet, sind Leistungen, die von der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlt werden.

Die Evidenzlage zu Selbstzahlerleistungen kann folgendermaßen aussehen:

1. keine ausreichende Evidenz für einen Nutzen, keine bedeutsamen Schäden, Studien liegen vor, zum Beispiel Biofeedback-Therapie

2. keine Evidenz für einen Nutzen oder für einen Schaden, es liegen keine geeigneten Studien vor, zum Beispiel Früherkennungsuntersuchung auf Grünen Star

3. Evidenz für Nutzen, aber vom Gemeinsamen Bundesausschuss (noch) nicht anerkannt, wie zum Beispiel Lichttherapie bei Depression

4. keine Evidenz für einen Nutzen bzw. Evidenz für geringe Nutzenwahrscheinlichkeit, aber Evidenz für Schäden, wie zum Beispiel Früherkennung von Eierstockkrebs durch transvaginalen Ultraschall.

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin appelliert an die Verantwortlichen, mit Leistungen der 4. Kategorie äußerst kritisch umzugehen. Bezüglich der Leistungen in Kategorie 1 bis 3 fordert der Ratgeber die Ärzte auf, die Patienten über den möglichen Nutzen, mögliche Schäden und bestehende Unsicherheiten einer angebotenen Selbstzahlerleistung zu informieren. Dazu sollen sie qualitätsgeprüfte Patienteninformationen nutzen. Der Patient soll eine informierte Entscheidung für oder gegen das Angebot auf Grundlage realistischer Erwartungen treffen können.

Damit die Empfehlungen wirksam werden, hält es das DNEbM für erforderlich, dass:

- die Herausgeber und Unterstützer des IGeL-Ratgebers eine weite Verbreitung der Empfehlungen ermöglichen und sich um deren Berücksichtigung kümmern.
- die Ärztekammern Sorge tragen sollten, dass Nichtbeachtung der Vorgaben sanktioniert wird.
- der IGeL-Ratgeber den Patienten in Arztpraxis und Klinik allgemein zugänglich gemacht wird.
- das vorhandene Angebot an qualitätsgesicherten Informationen zu Selbstzahlerleistungen den Ärzten und Patienten verfügbar gemacht wird (Beispiel: IGeL-Monitor).
- durch geeignete Studien Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Leistungen in der Praxis tatsächlich zu welchem Preis angeboten werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.