Bessere Therapie durch verzögerte Wirkung

Foto: Schlafende Frau

Die Medikamente morgens nach
dem Schlaf zu nehmen, ist nach
Meinung der Forscher zu spät;
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Glucocorticoide gehören zu den Steroidhormonen. Natürlicherweise entstehen sie in der Nebennierenrinde. Sie hemmen Entzündungen im Körper. Mediziner setzen synthetisch hergestellte Glucocorticoide seit langem ein, um diese Wirkung zu imitieren.

Eine Arbeitsgruppe hat den Zusammenhang zwischen Wirkung und Einnahmezeitpunkt untersucht. Wesentliche Erkenntnis: Die Medikamente wirken besser, wenn die Einnahme zeitlich genau an das Auftreten von Entzündungsvorgängen im Körper von Rheuma-Patienten angepasst ist.

Unter Leitung der Forscher von der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Berliner Charité wurden dafür 288 Patienten mit rheumatoider Arthritis untersucht. Um die bei der Erkrankung übliche Morgensteifigkeit zu behandeln, nehmen diese normalerweise morgens zwischen sechs und acht Uhr Glucocorticoide ein.

Zu spät, wie die Forscher vermuteten, denn zu diesem Zeitpunkt habe der nächtliche Anstieg der Entzündungsbotenstoffe schon längst zu Gelenkschwellungen und -entzündungen und damit zu den Symptomen wie der Morgensteifigkeit geführt. Die Wissenschaftler behandelten deshalb ihre Patienten mit einem "modified-release" (MR) Glucocorticoid. Sie nahmen abends gegen 22 Uhr eine Tablette ein, die den Wirkstoff Prednison etwa vier Stunden später freisetzt. Diese Patienten litten deutlich kürzer unter der typischen Morgensteifigkeit als die Kontrollgruppe mit üblicher Medikation.

Auch die Konzentration des nächtlich freigesetzten Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 sei bei diesen Patienten erniedrigt, berichten die Wissenschaftler. Unterschiede in der Verträglichkeit zwischen Versuchs- und Kontrollgruppe fanden sie nicht. Ihr Resümee: Die Dauer der Morgensteifigkeit wird durch das neue Medikament deutlich verkürzt.

MEDICA.de; Quelle: Kompetenznetz Rheuma in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)