Bessere Versorgung chronisch Erkrankter zu Hause

15.06.2016

Mit Beteiligung von Fraunhofer FIT in Sankt Augustin und dem Universitätsklinikum Bonn wurde das EU-Projekt POLYCARE gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines integrierten Versorgungssystems, mit dem chronisch erkrankte Patienten in ihrem Zuhause zukünftig besser versorgt werden können. Einer von drei geplanten Pilotstandorten wird das Universitätsklinikum Bonn sein.

Foto: Ältere Frau mit Rollator lächelt mit Daumen hoch

Das Projekt soll chronisch Kranke unterstützen, ohne sie in ihrer Lebensqualität einzuschränken; © panthermedia.net/arnoaltix

Ziel des neu gestarteten EU-Forschungsprojekts POLYCARE ist die Entwicklung und Erprobung einer integrierten, patientenzentrierten Pflege-Lösung, die mit Hilfe von modernen IKT-Systemen und Services die Betreuung und das Monitoring älterer chronisch kranker Patienten zu Hause auch in akuten Phasen ermöglichen soll.

Ein wichtiger Teilaspekt dabei ist die Entwicklung eines Monitoring-Systems zur kontinuierlichen Erfassung aller relevanten Gesundheitsparameter der Patienten – ohne deren Lebensalltag einzuschränken. Individuell anpassbare Anwendungen unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen älterer Menschen an einfache Bedienbarkeit sollen zudem die Patienten in ihrem persönlichen Gesundheitsmanagement unterstützen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Patienten, Angehörigen, Freunden einerseits und den behandelnden Ärzten und Pflegern andererseits soll verbessert werden. Spezielle Ausbildungsprogramme für medizinische Fachkräfte sollen dabei helfen, dass die neu entwickelten Systeme gut angenommen werden.

Des Weiteren soll ein Entscheidungsunterstützungssystem implementiert werden, das die neuesten Technologien des maschinellen Lernens zur genauen Datenanalyse beinhaltet, um damit individuelle Medikation und Vorhersage von unerwarteten Gesundheitsproblemen bei den Patienten zu verbessern.

"Die POLYCARE Services sollen einerseits die Lebensbedingungen für chronisch kranke Patienten verbessern und andererseits Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Gesundheits- und Pflegesysteme erhöhen. Sie sollen bestehende IKT-Systeme von Krankenhäusern und Pflegediensten nicht ersetzen, sondern sich über offene Schnittstellen in diese integrieren", so Dr. Yehya Mohamad, der beim Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT das Projekt leitet.

Hauptaufgabe von Fraunhofer FIT ist die Entwicklung von verteilten Systemen und Diensten auf Basis einer Middleware, die die Projektkomponenten mit den durch Sensoren ermittelten Gesundheitsparametern der Patienten verknüpft. Darüber hinaus wird FIT die algorithmischen Komponenten des Projekts entwickeln und sie in die POLYCARE-Systeme integrieren.

Die POLYCARE-Systeme werden an drei Pilotstandorten in Deutschland, Frankreich und Spanien evaluiert. Deutscher Pilotstandort wird das Universitätsklinikum Bonn sein. Die entwickelten Lösungen werden sich auf organisatorischer und technischer Ebene deutlich unterscheiden, da die zugrunde liegenden Gesundheits- und Sozialsysteme in den einzelnen Ländern und Regionen sehr unterschiedlich sind.

Neben dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT sind weitere Partner in POLYCARE: Everis Spain SL, SALUD (Servicio Aragonés de Salud – Sector Sanitario de Barbastro), Comarca de Somontano de Barbastro, Universitätsklinikum Bonn, Echosanté, Interactive4D und PLUX – Wireless Biosignals.

POLYCARE (POLY-stakeholders integrated CARE for chronic patients in acute phases) ist ein von der Europäischen Kommission im Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 gefördertes Projekt.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT
Mehr über das Projekt unter: www.polycare-project.com