Bessere Versorgung nach Unfällen

Foto: Liegender Mann bekommt Erste Hilfe

Die psychischen Folgen eines Un-
falls sind oft langwierig; © Hemera

"Bei vielen Patienten steht nicht nur der reparierte Knochen nach einem Unfall im Mittelpunkt, meist ist die Seele viel stärker verletzt und der Patient braucht eine psychotherapeutische Behandlung", erklärt Professor Neugebauer, Direktor des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM) der Universität Witten/Herdecke. "Seit 1991 stand ein Fragebogen, der über die körperlichen Spätfolgen hinaus auch die psychischen und sozialen Folgen erfasst, auf der Wunschliste der Ärzte weltweit" so Neugebauer weiter. 2006, nach mehreren Studien und vor allem vielen Abstimmungsprozessen, haben Neugebauer und sein Team ein modulares Instrument vorlegen können, das die Lebensqualität zuverlässig misst.

Dank der Fortschritte in der Medizin überleben in Deutschland mehr als 80 Prozent der Opfer ihre schweren Verletzungen, jedoch die Hälfte nur mit starken körperlichen, sozialen und psychischen Einschränkungen noch zwei Jahre nach dem Unfall. Diese Spätfolgen und ihre Auswirkungen auf die Patienten berücksichtigt jetzt erstmals ein neu entwickelter Fragebogen. Er erfasst die individuellen Profile der Unfallfolgen und bietet dem behandelnden Arzt damit neue Perspektiven für die weitere Therapie.

"Wir Mediziner, Psychologen und Gesundheitswissenschaftler haben uns auf den Begriff 'Lebensqualität' geeinigt, um ein Maß zur Bewertung von individuellen Gesundheitszielen zu haben. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass Patienten selbst Auskunft über ihren Zustand geben. Nicht der Arzt weiß, wie es dem Patienten geht, sondern dies kann der Patient nur selbst beurteilen" erläutert Neugebauer.

Lebensqualität im wissenschaftlichen Sinne der Mediziner umfasst die subjektive Befindlichkeit und das Handlungsvermögen im physischen, psychischen und im sozialen Bereich. Die Messung der Lebensqualität in der Medizin ist immer dann von Interesse, wenn das subjektive Krankheitserleben im Vordergrund steht. "Die Behandlungseffekte sollten sich in einer besseren Lebensqualität des individuellen Patienten abbilden und nicht nur in objektiven Maßeinheiten des behandelnden Arztes", fasst Neugebauer die Bemühungen zusammen, die Forschung auf den Patienten und sein Wohlbefinden auszurichten.

MEDICA.de; Quelle: Universität Witten/Herdecke