Bestimmte Gene lassen zur Zigarette greifen

Ein Mann zieht an einer Zigarette

Ein Gen mag Schuld sein
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In ihrer Studie zeigten Forscher der Universitäten Bonn und Heidelberg zusammen mit US-Kollegen der Harvard Medical School, welche Rolle das TPH1-Gen und der Austausch eines einzigen Buchstaben im TPH2-Gen spielen. Auf 50 bis 75 Prozent schätzen Forscher den Einfluss des Erbguts. Den Rest machen Umweltbedingungen wie Stress oder Negativ-Vorbilder aus. Die in der Studie untersuchten TPH-Gene sind wichtig für die Produktion des Hirnbotenstoffs Serotonin.

Die Wissenschaftler werteten in ihrer Studie die anonymisierten Daten von mehr als 4.300 Deutschen aus. Die Teilnehmer einer ersten Stichprobe waren im Schnitt 53 Jahre alt, die einer zweiten knapp 25 Jahre.

"Probanden, bei denen das TPH1-Gen an einer bestimmten Stelle verändert war, griffen tatsächlich signifikant häufiger zur Zigarette", bestätigt Reuter das Ergebnis vorheriger Studien. Unter Rauchern war diese Erbgut-Änderung zehn Prozent häufiger als unter Nichtrauchern.

Komplizierter ist es mit dem TPH2-Gen. "Der Austausch eines einzigen Bausteins in dieser Erbanlage führt dazu, dass die Betroffenen deutlich früher mit dem Rauchen beginnen", erläutert der Psychologe. Allerdings war dieser Effekt in der "älteren" Gruppe nur bei Frauen statistisch signifikant. Anders in der jüngeren Gruppe: Hier machte sich der "TPH2-Effekt" lediglich bei den Männern bemerkbar. Sie begannen durchschnittlich drei Jahre früher zu rauchen, wenn sie Träger der Genvariante waren.

Die Erklärung beruht auf interessanten Spekulationen Reuters. Träger eines veränderten TPH2-Gens sind laut Studien im Schnitt ängstlicher, Angst und Unsicherheit sind wichtige Auslöser für Drogenmissbrauch, Stress scheint diesen Effekt noch zu verstärken. "Die Raucher aus der älteren Gruppe sind oft schon seit den 50er Jahren nikotinabhängig", erklärt Reuter. "Damals lastete auf Frauen ein viel größerer gesellschaftlicher Druck als heute, sich rollenkonform zu verhalten - mehr Stress, wenn man so will. Unter diesen Bedingungen wirkte sich die TPH2-Variante bei ihnen eventuell viel stärker aus als bei Männern." Heute seien es dagegen vielleicht eher die Männer, die mit ihrer veränderten Rolle zu kämpfen hätten, spekuliert der Professor. Das würde erklären, warum der Buchstabentausch im TPH2-Gen jetzt vor allem beim männlichen Geschlecht Wirkungen zeige.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn