Beuth-Denkmünze an Professor Manfred Nietert

Nach dem Studium an der Technischen Universität in Berlin erlangte Professor Nietert 1975 seine Promotion im Fachbereich Konstruktion und Fertigung der Technischen Universität Berlin. Seine Promotionsarbeit wurde von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. mit dem Konrad-Biesalski-Preis ausgezeichnet. Von 1969 bis 1975 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Prüfinstitut für orthopädische Hilfsmittel an der Technischen Universität Berlin, dessen stellvertretende Leitung er 1975 übernahm. Nahezu zeitgleich war er auch als Berater des Beirats für Orthopädietechnik beim Ministerium für Arbeit und Sozialordnung tätig. Seit 1979 hat er eine Professur an der Fachhochschule Gießen-Friedberg im Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie (vormals Biomedizinische Technik und Technisches Gesundheitswesen), dem er auch als Dekan vorstand.

In Kooperation mit der Bundesfachschule für Orthopädietechnik (Bufa) in Dortmund rief Professor Nietert zum Wintersemester 1997/98 einen neuen Studiengang "Orthopädie- und Rehatechnik" ins Leben, der bundesweit Modellcharakter hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Deutschland eine handwerkliche, aber keine Hochschulausbildung für Orthopädie- und Rehatechnik. Der neue Studiengang schloss diese Lücke und bot die Möglichkeit, in acht Semestern beide Qualifikationen zu erwerben, den Abschluss als Diplom-Ingenieur und den Meisterbrief im Orthopädie- und Bandagisten-Handwerk.

Seine erste Berührung mit der Normung hatte Professor Nietert schon 1969. Im darauffolgenden Jahr wurde er in den Beirat des Normenausschusses Feinmechanik und Optik (NAFuO) gewählt und führte dieses Amt bis 1976 aus. Nach langen Jahren als Mitarbeiter wurde er 1994 zum Obmann des Arbeitsausschusses "Orthopädietechnik" gewählt und hatte dieses Amt bis Mai 2010 inne.

Der Arbeitsausschuss "Orthopädietechnik" spiegelt die Normungsaktivitäten des ISO/TC 168 "Prothetik und Orthetik" wieder, in deren Arbeitsgruppe 3 "Prüfverfahren" Professor Nietert seit 1982 als deutscher Experte maßgeblich an der Erarbeitung der ISO Normenreihe 10328 zur Prüfung der Struktur externer Prothesen für die unteren Gliedmassen beteiligt war. Auch in der im Jahre 1993 gegründeten Arbeitsgruppe 5 des CEN/TC 293 "Prothesen und Orthesen" war er Mann der ersten Stunde. 2004 wurde Professor Nietert zum Chairman des ISO/TC 168 ernannt.

Als 1999 ein neues Projekt zur Prüfung von Knöchel-Fuß-Passteilen und Fußeinheiten, dessen besondere Wichtigkeit für die Bewertung der Gebrauchstauglichkeit einer Vielzahl an neuen Konstruktionen von Knöchel-Fuß-Passteilen und Fußeinheiten mit bestimmten Merkmalen, die nur unter wirklichkeitsnahen Belastungsbedingungen zutage treten, begonnen wurde, war es seiner Weitsicht zu verdanken, dass an der Fachhochschule Gießen einer der ersten Fußprüfstände in Betrieb genommen und damit ein erheblicher Beitrag zur Validierung der Norm geleistet werden konnte.

Professor Nietert hat in der Normung in dem Bewusstsein gewirkt, dass die globalisierte Normung zur Prüfung von Prothesen sowie von Knöchel-Fuß-Passteilen und Fußeinheiten eine Herausforderung an alle beteiligten Unternehmen und überwachenden Institutionen stellt. Harmonisierte Internationale und Europäische Normen und die Berücksichtigung innovativer Technik zur Überprüfung der Strukturfestigkeit von Prothesen und von Knöchel-Fuß-Passteilen und Fußeinheiten sind im Interesse der gesundheitlichen Versorgung von Amputierten unumgänglich.

In seiner Funktion als Obmann des Arbeitsausschusses "Orthopädietechnik" und als Chairman des ISO/TC 168 genoss er großes Ansehen in den Fachkreisen und trug dazu bei, dass die verschiedenen Traditionen berücksichtigt und Normen mit gegenseitigem Respekt und Hochachtung voreinander geschaffen werden konnten.

Für diese herausragenden Verdienste um die Normung hat das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. am 24. Mai 2011 Professor Nietert als Zeichen des Dankes und der Anerkennung die Beuth Denkmünze verliehen.

MEDICA.de; Quelle: DIN Deutsches Institut für Normung e. V.