Bewegung macht traumatisierte Jungs wieder stark

Wenig Projekte kümmerten sich
bisher um traumatisierte Jungs
© Hemera

Hilflosigkeit, Ohnmacht und Schwäche sind Gefühle, die durch Gewaltanwendung bei Kindern ausgelöst werden. Eine solche Selbstwahrnehmung stimmt natürlich überhaupt nicht mit den traditionellen Anforderungen der männlichen Geschlechterrolle überein.

Daher kompensieren gerade misshandelte und missbrauchte Jungen das Erlebte oft durch eigene Gewaltanwendung - werden also vom Opfer zum Täter.

Die Zahlen sind alarmierend: Allein in den Industrieländern sterben jedes Jahr 3.500 Kinder durch Gewaltanwendung von Erwachsenen. Natürlich enden nicht alle Gewaltanwendungen mit dem Tod - doch Misshandlungen sind oft traumatische Erlebnisse, die neben körperlichen Verletzungen vor allem psychische Erkrankungen zur Folge haben können.

Der Ansatz, gerade traumatisierten Jungen zu helfen, ist aufgrund konkreter Nachfragen aus dem Bereich der Psychiatrie und Heimbetreuung entstanden. Denn bisher gibt es weder ein ähnliches Projekt in der Praxis, noch ist das Thema in der Forschung ausreichend behandelt worden.

Dieser Mangel verwundert auch Projektleiter Jan Volmer: "Konzepte speziell für traumatisierte Mädchen gibt es viele, aber für Jungen leider kaum. Dabei ist hinreichend bekannt, dass gerade misshandelte Jungen häufig in eine Täterrolle abgleiten."

Ziel des Projekts ist es, ein Gefühl von Stärke aus eigenem Selbstbewusstsein zu ziehen - und nicht aus der Erniedrigung anderer. "Misshandelte Kinder haben außerdem häufig eine gestörte Sensibilität, die soll durch körper- und bewegungsorientierte Übungen und Spiele wieder entdeckt werden. Die Jungen können so ein Gefühl für ihren Körper und ein neues Selbstbewusstsein entwickeln", erklärt Volmer. Weiter sieht das Konzept Erfahrungen in und mit der Natur - zum Beispiel auf einem Ponyhof - vor.

MEDICA.de; Quelle: Universität Dortmund