Bewegungsprogramm reduziert Sturzgefahr

Foto: Ohrläppchen

Das Ohr ist extrem wichtig für
einen sicheren Stand; © SXC

Für das Gleichgewicht des Menschen sind vier Systeme verantwortlich, die ständig Informationen über den Gleichgewichtszustand an das Gehirn senden: zwei Gleichgewichtsorgane im Innenohr, das visuelle System, das System der Körperwahrnehmung sowie das System der Informationsverarbeitung. Fällt ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr aus, leidet der Patient unter Drehschwindel und Übelkeit.

Das Symptom Schwindel stellt für betroffene Patienten eine starke Belastung dar und bringt die Gefahr des Stürzens mit sich. Die Ursache der Gleichgewichtserkrankung (peripher-vestibuläre Störung) ist allerdings weitgehend unbekannt und bis heute gibt es keine wirksame Therapie. Um Patienten mit geschädigtem Gleichgewichtsorgan dennoch helfen zu können, haben die Wissenschaftler nun eine besondere Behandlungsmethode entwickelt.

"Bei einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans müssen die drei intakten Systeme idealerweise die Funktion des ausgefallenen Organs übernehmen", sagt Andreas Lauenroth, der im Rahmen dieses Projekts seine Doktorarbeit verfasste. Durch ein gezieltes, bewegungstherapeutisches Rehabilitationsprogramm können die drei intakten Systeme so sensibilisiert werden, dass den Patienten die alte Standsicherheit zurückgegeben wird und damit die Sturzgefahr reduziert ist.

Die Patienten der Studie absolvierten in 15 Wochen unter Anleitung eines Sporttherapeuten 30 Trainingseinheiten zu je 30 Minuten, die in zwei Phasen unterteilt wurden. In der ersten Phase wurde auf einem Luftkissen trainiert, das unsichere Situation simulieren und die nicht betroffenen Systeme stimulieren sollte. Im Anschluss wurden die Patienten in einem dreidimensionalen Rad, ähnlich einem Rhönrad, trainiert, um das Gleichgewichtsorgan zu reizen. "Das betroffene System sollte in der zweiten Phase so stimuliert werden, dass es langsam wieder zu seiner Funktion zurückfindet", erklärt Lauenroth.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Therapie keine Regeneration der erkrankten Gleichgewichtsorgane ermöglichte. Die erzielte Standsicherheit und die Reduktion der Sturzgefahr waren also auf ein verbessertes Verarbeiten von Informationen im Gehirn zurückzuführen. Dieses konnte durch das zielgerichtete Training erreicht werden.

MEDICA.de; Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg