Big Data in der Kardiologie: IT-Plattform soll "Datenmeer" selektieren

01.05.2016

Ein Großteil der Arbeit von Kardiologen besteht neben dem Beraten von Patienten und der Diagnostik aus dem Erfassen von Daten, um zukünftige Fälle auf Basis der bisher gesammelten Informationen besser behandeln zu können. Bisher wurden diese Daten in Excel-Tabellen oder vielen unterschiedlichen Kommunikationsplattformen festgehalten. Eine Software soll für den standortübergreifenden Austausch sorgen.

Foto: Tastatur mit Herzsymbol

Kardiologen erfassen während ihrer Arbeitszeit viele wichtige Daten, die für zukünftige Fälle relevant sind; © panthermedia.net/cienpies

Das Herz: es besteht aus einer linken und rechten Kammer, zwei Vorhöfen und einer Aorta. Es versorgt alle weiteren Organe wie Leber und Nieren und macht etwa 0,5 Prozent des eigenen Körpergewichts aus. Es ist das wichtigste Organs unseres Körpers und wird ständig weiter erforscht. Künstliche Herzklappen und sogar das Transplantieren des aus Muskelsträngen bestehenden Organs sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken.

Doch nicht immer werden Menschen mit gesunden Herzen geboren oder sie bekommen im Laufe ihres Lebens Herzprobleme. In diesem Falle sind Kardiologen gefragt. Sie untersuchen die Funktion des Organs und stellen eine Diagnose. Dafür werden Unmengen an Daten gesammelt, archiviert und weiterverarbeitet. Man spricht hierbei auch von Massendaten oder "Big Data". Doch nicht alle Informationen, die gesammelt werden, sind für behandelnde Ärzte auch essentiell. Ein deutschlandweites Verzeichnis von Symptomen und Ursachen sowie Behandlungsplänen, in denen Ärzte wichtige Informationen aus ähnlichen Fällen zur Rate ziehen können, gibt es bisher noch nicht. Wie können Kardiologen nun schnell und sorgfältig herausfinden, welche Informationen für die Behandlung des Patienten wertvoll sind?

Gemeinschaftsprojekt "SMART"

Um für das Problem der Massendaten eine Lösung zu finden, arbeiten Experten der Charité Universitätsmedizin, des Max-Delbrück-Centrums und des Herzzentrums Berlin zusammen an dem E-Health-Projekt "SMART". Unterstützt werden sie von Informatikern des Hasso-Plattner-Instituts (HPI). In dem vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung geförderten Projekt wird eine IT-Plattform entwickelt, "damit wichtige Behandlungsdaten, die auf verschiedenen Systemen verteilt erfasst werden, für behandelnde Ärzte in einem System direkt nutzbar sind ", erklärt Dr.-Ing. Matthieu-P. Schapranow, Program Manager E-Health & Life Sciences am HPI. Dafür werden unter anderem mathematische Modelle benutzt. Bei einer Herzinsuffizienz zum Beispiel, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen, kommen viele Ursachen und Faktoren, wie Stress und die Einnahme von Medikamenten, zusammen. „Mit Hilfe innovativer Echtzeit-Datenanalysen unterstützen wir Mediziner und Forscher dabei, mögliche Risikofaktoren zu identifizieren und so entsprechende Anpassungen des Behandlungsplans frühzeitig vorzunehmen.“ Das System befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, wird aber bereits in Arztpraxen und Krankenhäusern von Kardiologen im Rahmen dieses Projekts eingesetzt und getestet "Wir haben heutzutage nicht das Problem, immer größer werdende Datenmengen zu generieren, sondern diese zu kombinieren und relevante Zusammenhänge für die Behandlung daraus abzuleiten", so Schapranow.

Foto: Ärztin sitzt vor Computer

Mitglieder des Projekts "SMART" schaffen eine standortübergreifende Plattform für Ärzte. Die Kommunikation von verschiedenen Fachbereichen soll dabei gestärkt werden; © panthermedia.net/nyul

Die Kommunikation verschiedener Fachbereiche soll automatisiert werden

Für Patienten ist das Modell sehr transparent, da sich am Behandlungsablauf nichts ändert. Jedoch profitieren sie von einer höheren Krankheitsüberwachung. Für das System sind vor allem bevorstehende Operationen relevant.  Patienten, die davon betroffen sind, werden vorab befragt, ob die eigenen Daten in diesem System erfasst werden dürfen. Das hat den Vorteil, dass der Austausch zwischen Kardiologen und Laboren viel schneller und automatisiert vonstatten gehen kann. "Wenn zum Beispiel der Termin für eine Herzklappe-Operation festgelegt wird, benachrichtigt unser System involvierte Personengruppen, wie zum Beispiel das Labor-Team, automatisch darüber, dass es mit einer Biopsie zu dieser Zeit zu rechnen hat, um dies im Labor-Arbeitsablauf frühzeitig einzuplanen." So sollen wichtige Daten nicht verloren gehen und jahrzehntelang digital aufbewahrt werden können.

Wann und ob die Internet-Plattform auch in Krankenhäusern oder bei Allgemeinmedizinern zum Einsatz kommt, steht derzeit noch nicht fest.

Mehr zum Hasso-Plattner-Institut unter: hpi.de
Foto: Lorraine Dindas

© B. Frommann

Lorraine Dindas
MEDICA.de