Alzheimer: Bildung und geistige Aktivität gegen Demenz

25.09.2013
Foto: Kreuzworträtsel

Kreuzworträtsel sind eine von vielen möglichen Aktivitäten, die geistigem Verfall frühzeitig vorbeugen;
© panthermedia.net/Marc Dietrich

Die mit einem Gedächtnisverlust einhergehende Alzheimer-Erkrankung entwickelt sich über einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren. Bildung und mentale Aktivität können den Ausbruch der Krankheit hinauszögern.

Dies sind Ergebnisse von zwei neuen Studien, die auf Positronen-Emissions-Tomographie-Untersuchungen basieren. Aufgrund der Forschungsergebnisse empfiehlt der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN), sich frühzeitig und bis ins hohe Alter etwa mit Zeitungslektüre, Gesprächen und Denkspielen geistig fit zu halten. Das sei momentan die beste Methode, um Morbus Alzheimer vorzubeugen.

Sogenannte Beta-Amyloide zerstören nach und nach Nervenzellen und Gedächtnis. Beta-Amyloide können mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung nachgewiesen werden, der Positronen-Emissions-Tomographie (PET). Dafür erhalten die Patienten eine schwach radioaktiv markierte Substanz – die „Pittburgh compound B“ – in die Armvene injiziert. Über den Blutkreislauf gelangt dieser Radiotracer ins Gehirn, wo er sich an die Alzheimer-Proteine anlagert.

„So können wir Ort und Ausmaß der Ablagerungen erkennen“, erklärt Prof. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN), Essen.

Australische Nuklearmediziner haben diese Untersuchung bei einer Gruppe von 200 älteren Menschen im Abstand von 18 Monaten mehrfach durchgeführt, über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Jahren. Resultat der Studie: Die Forscher errechneten, dass die Eiweißablagerungen bereits zwanzig Jahre vor Ausbruch der Krankheit einsetzen. „Wir wissen jetzt, dass sich Alzheimer über einen langen Zeitraum entwickelt“, sagt Moka.

Nun gibt es möglicherweise ein Mittel, um den Ausbruch beim Morbus Alzheimer hinauszuzögern. Den Beleg hierfür liefern erneut Nuklearmediziner in einer PET-Studie. Das Forscherteam hatte eine Gruppe von geistig gesunden Senioren untersucht, die Eiweißablagerungen im Gehirn hatten und sich damit in einem frühen Alzheimer-Stadium befanden. Mit dem Radiotracer Fluorodeoxyglucose (FDG) wiesen die Wissenschaftler nach, wie stark die Ablagerungen das Gehirn bereits geschädigt hatten.

„FDG wird wie Zucker von den Hirnzellen aufgenommen und ist deshalb ein Maß für die Stoffwechselaktivität“, erläutert Moka. Bei einer Demenz ist die FDG-Aktivität in den Gedächtnisregionen des Gehirns vermindert, der Stoffwechsel verlangsamt.

Einige Senioren hatten jedoch trotz deutlicher Ausfälle im FDG-PET noch normale Ergebnisse in den Demenztests und waren geistig voll auf der Höhe. Diese Studienteilnehmer konnten eine gute Ausbildung vorweisen, wie die Forscher herausfanden. Damit belegt die Studie, dass Bildung einen günstigen Effekt auf die Demenzentwicklung hat.

„Bildung und geistige Aktivitäten wie Schachspielen, Lesen oder sozialer Austausch erweitern die kognitiven Reserven im Gehirn, die offenbar den Beginn der alzheimertypischen Hirnleistungsstörung hinauszögern“, erläutert Moka die Studienergebnisse. Experten gehen davon aus, dass kognitive Reserven helfen, Abbauvorgängen im Gehirn entgegenzuwirken, indem sie Kompensationsstrategien ermöglichen.

MEDICA.de; Quelle: Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN)