Frühere Studien haben behauptet, dass es im Irak zwischen März 2003 und September 2004 etwa 100.000 Tote gegeben habe, die auf den Irak-Krieg zurückzuführen seien. In einer weiteren Untersuchung sollte dies nun bis heute fortgeschrieben werden.

Wissenschaftler besuchten zwischen Mai und Juli 2006 50 "Cluster" mit jeweils 40 Haushalten in 16 Regierungsbezirken des Irak und fragten nach Todesfällen zwischen dem 1. Januar 2002 und dem Tag der Invasion des Irak, 18. März 2003. In einer zweiten Frage erhoben sie dann die Todesfälle im selben Haushalt zwischen jenem Tag der Invasion und dem aktuellen Datum im Jahre 2006. Mit Hilfe spezieller statistischer Methoden errechneten die Wissenschaftler dann daraus die "excess mortality", also jene zusätzlichen Todesfälle, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Folge des Krieges sind.

Die Studienleiter bekamen Kenntnis von insgesamt 1.474 Geburten und 629 Todesfällen in den befragten Haushalten. Vor der Invasion lag die Mortalität bei 5,5 pro 1.000 Personen pro Jahr. In den 40 Monaten nach der Invasion stieg die Mortalität auf 13,3 pro 1.000 Personen pro Jahr an. In absoluten Zahlen: Bis zum Juli 2006 starben rund 655.000 Personen im Irak an den direkten Folgen des Krieges. Das entspricht etwa 2,5 Prozent der Menschen im untersuchten Gebiet.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: Die Zahl der Personen, die direkt von den Koalitionsstreitkräften getötet wurden, sank im Jahre 2006 deutlich. Stark angestiegen ist dagegen die Gewalt der Iraker untereinander als Folge des Krieges. Während Schusswunden nach wie vor die häufigste Todesursache sind, steigt die relative Zahl der Opfer durch Autobomben.

MEDICA.de; Quelle: The Lancet Early Online Publication