Bittere Medizin versüßt

Längst nicht alle Wirkstoffe werden gleich gut über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Weil aber Patienten sich ungern selbst Spritzen setzen oder für eine intravenöse Therapie ins Krankenhaus gehen, besteht ein großes Interesse daran, die Aufnahme von Arzneimitteln über den Magen-Darm-Trakt zu verbessern. Dressman erhält für ihre Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet den "Distinguished Science Award" der Fédération Internationale Pharmaceutique FIP.

Dass der Körper viele Arzneimittel nicht oder nur unvollständig absorbiert, hat einen guten Grund: Der Darm hat auch die Aufgabe, potenziell schädliche Substanzen daran zu hindern, in das Gewebe und die Organe einzudringen. Um den Körper zu überlisten, so dass er auch "bittere Pillen" akzeptiert, muss man wissen, unter welchen Bedingungen der Magen-Darm-Trakt arbeitet.

Dank ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit führenden Gastroenterologen ist es Dressman gelungen, den Verdauungstrakt vom Magen bis zum Mastdarm zu erkunden. Dabei hat sie Schlüsselfaktoren gefunden, die einen Einfluss darauf haben, wie schnell verschiedene Dosierungen zur Aufnahme des Arzneistoffes führen. Mit diesen Arbeiten haben sie und ihre Mitarbeiter die Grundlagen für ein erstes Modell geschaffen, das Bedingungen für eine optimale Aufnahme von Medikamenten im Magen-Darm-Trakt angibt. Dieses Modell hat Dressman im Lauf der Jahre kontinuierlich verfeinert.

Aufgrund des Modells konnten Labortests für Arzneimittel und ihre Dosierung entwickelt werden, mit deren Hilfe man vorhersagen kann, wie effektiv neue Medikamente im Verdauungstrakt aufgenommen werden. Diese so genannten "biorelevanten" Freisetzungs-Methoden haben die Entwicklung neuer Arzneimittel erheblich verkürzt. Zeit- und kostenintensive Tierexperimente lassen sich auf ein Minimum reduzieren oder können gänzlich entfallen.

MEDICA.de; Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main