Glioblastomtherapie: Blockade des Immunsystems brechen

29.05.2013
Foto: Hirntumor

Forscher haben einen neuen Stoffwechselweg in besonders aggressiven Glioblastomen entdeckt; © panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Glioblastome zählen zu den bösartigsten Hirntumoren. Trotz modernster Behandlungsmethoden bricht die Erkrankung meist wieder aus. Ein Grund dafür ist, dass das Umfeld des Tumors, Forscher sprechen von Mikromilieu, das Immunsystem blockiert. Nun berichten Wissenschaftler von neuen Forschungsansätzen, die die Blockade des Immunsystems durchbrechen, es aktivieren und die Hirntumore bekämpfen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 4 500 Menschen an einem Glioblastom, dem häufigsten Hirntumor bei Erwachsenen. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie haben Betroffene häufig nur eine geringe Überlebenszeit von ein bis zwei Jahren. Wissenschaftler und Kliniker suchen deshalb nach neuen Möglichkeiten, diese Hirntumore besser behandeln zu können.

Vor kurzem hatte Professor Michael Platten vom Universitätsklinikum Heidelberg einen neuen Stoffwechselweg in besonders aggressiven Glioblastomen entdeckt. Zusammen mit seinen Mitarbeitern konnte der Neurologe und Forscher in Krebszellen von Mäusen und Patienten zeigen, dass die Aminosäure Tryptophan – ein überall im Körper vorkommender und mit der Nahrung aufgenommener Proteinbaustein – im Mikromilieu von Glioblastomen zu sogenannten Kynureninen abgebaut wird. „Diese Kynurenine lähmen das Immunsystem und hindern es daran, gegen den Tumor vorzugehen“, erläutert Platten. Sie aktivieren darüber hinaus den Dioxinrezeptor, der eine Kaskade in Gang setzt, die letztlich das Wachstum der Glioblastome ankurbelt. Die Forscher identifizierten auch das Schlüsselenzym (Tryptophan-2,3-Dioxygenase, TDO), das Tryptophan zu Kynureninen abbaut.

„Unsere Arbeiten zeigen zwei mögliche Angriffspunkte für neue Therapien“, sagt Platten. Zum einen wollen wir das Schlüsselenzym TDO blockieren, um zu verhindern, dass es Tryptophan zu Kynureninen abbaut. Inhibitoren dieses Schlüsselenzyms sind in der präklinischen Entwicklung.“ Zum anderen suchen Platten und seine Mitarbeiter nach Substanzen, die in der Lage sind, den Dioxinrezeptor zu blockieren.

Doch nicht nur die Hemmung des fatalen Stoffwechsels von Tryptophan im Tumorumfeld haben die Forscher im Auge. Sie arbeiten auch an der Entwicklung einer Impfung gegen Vorstufen von bestimmten Glioblastomen, den niedergradigen und anaplastischen Astrozytomen. In diesen Tumoren ist das Protein Isozitratdehydrogenase 1 (IDH1) häufig verändert (mutiert). Die Mutation besteht darin, dass eine Aminosäure ihren Platz wechselt. Dieses mutierte Protein (IDHR132H) ist dann in allen Tumorzellen nachweisbar, nicht aber in anderen Körperzellen.

MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch