Bluttest identifiziert lebensgefährliche Fälle

Bisher stützen sich die Mediziner auf den MELD-Score. Das ist nichts anderes als eine Zahl, die sich aus verschiedenen Blutwerten berechnet. Doch der MELD-Score differenziert nicht genau genug. Doktor Bettina Rezori hat über ein Blutprotein promoviert, das das eventuell ändern könnte. Die Rede ist vom so genannten "Tumor-Nekrose-Faktor", einem Signalmolekül, das die Immunabwehr zu Höchstleistungen anspornt.

Der Tumor-Nekrose-Faktor dockt an einen Rezeptor auf der Oberfläche bestimmter Zellen an. Das ist gewissermaßen der Startschuss zur verstärkten Immunreaktion. Der Rezeptor (im Fachjargon sTNF-R75 genannt) samt seiner Fracht hat dann seiner Schuldigkeit getan: Er wird von der Zelle ins Blut entsorgt und über die Nieren ausgeschieden. "Wir messen daher die Konzentration von sTNF-R75 im Blut", erklärt Privatdozent Doktor Christoph Reichel von der Bonner Medizinischen Fakultät. "Denn auch die steigt bei Leberschädigungen an."

Die Mediziner untersuchten 92 Patienten mit Leberzirrhose. Nur sieben von ihnen konnte in dieser Zeit eine Spenderleber transplantiert werden. Als Entscheidungskriterium für die Dringlichkeit diente den Ärzten der MELD-Score. 44 weitere Patienten starben, ohne dass ihnen ein Ersatzorgan angeboten werden konnte. Bei elf von ihnen war der MELD-Score unkritisch gewesen. Der sTNF-R75-Spiegel hatte sie dagegen korrekt als Risiko-Patienten ausgewiesen. Umgekehrt hätte der MELD-Score 18 der überlebenden Patienten als gefährdet eingestuft. Sieben von ihnen wiesen jedoch einen unkritischen sTNF-R75-Spiegel auf.

Allerdings kann die sTNF-R75-Menge beispielsweise auch bei einer verminderten Nierenfunktion ansteigen - und zwar selbst dann, wenn die Leber noch nicht weitreichend geschädigt ist. "In Verbindung mit dem MELD-Score ist der sTNF-R75-Spiegel jedoch gut geeignet, um das Sterberisiko von Patienten mit Leberzirrhose genauer abzuschätzen", so Rezori.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn