Botox für die Blase

Foto: Spritze

Eine Botox-Spritze kann das Leiden
bei Blasenfunktionsstörungen
lindern; © SXC

Wenn herkömmliche Methoden nicht helfen, kann Botulinum Toxin A das Leiden lindern. Auch bei Blasenfunktionsstörungen neurogener Ursache, nach Querschnittlähmungen, bei Parkinson oder Multipler Sklerose sowie bei chronisch schmerzhaften Blasenerkrankungen wie der Interstitiellen Cystitis kommt Botulinum Toxin A zum Einsatz.

Der Wirkstoff aus dem Bakterium Clostridium botulinum wird während einer Blasenspiegelung direkt in die Harnblase gespritzt. Symptome wie häufiger und unwillkürlicher Harndrang können etwa neun Monate lang reduziert oder völlig unterbunden werden.

"Anders als in der Schönheitschirurgie gibt es in der Urologie eine klare medizinische Indikation. Der Wirkstoff schließt die therapeutische Lücke zwischen Medikamentengabe und Operation. Die Behandlung erfolgt unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung an urologischen Kliniken mit dem Schwerpunkt Inkontinenz oder in spezialisierten urologischen Praxen", sagt der Kieler Urologe Doktor Christoph Seif. Zuvor müssen allerdings alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

"Erst wenn herkömmliche Medikamente, Verhaltenstherapien oder physiotherapeutische Therapien wirkungslos bleiben, kann Botulinum Toxin A mangels einer adäquaten Therapiealternative angewendet werden, denn noch wird es in der Urologie ohne amtliche Zulassung im sogenannten Off-Label-Gebrauch verwendet", so Seif.

Was das für die Patienten bedeutet, erklärt Privatdozent Doktor Arndt van Ophoven vom Marienhospital Herne der Ruhr-Universität Bochum: "In den meisten Fällen übernehmen die Krankenkassen heute die rund 1000 Euro teuren Behandlungskosten. Im Off-Label-Gebrauch besteht allerdings keine Pflicht zur Kostenübernahme. Die Zulassung in der Urologie wird in zwei Schritten erfolgen und für Ende 2010 oder in 2011 zunächst für die neurogene Blasenfunktionsstörungen erwartet".

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.