Im Dezember letzten Jahres berief die TU den Chemiker Hans-Jürgen Wester auf das Extraordinariat für Radiopharmazie. Der Experte für Radiochemie und Radiopharmazie verfolgt seine Forschung sowohl am Institut für Radiochemie am Campus Garching als auch in der Nuklearmedizinischen Klinik und Poliklinik im Klinikum rechts der Isar.

Um krankhafte Prozesse im Körper im Tomographen sichtbar zu machen, müssen Wissenschaftler Moleküle entwickeln, die sich am Krankheitsherd anreichern und dort Strahlen aussenden.

So ist es möglich, Ort und Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen. Diese Kenntnisse helfen dem Arzt die geeignete, individuell auf jeden einzelnen Patienten abgestimmte Therapie auszuwählen und den Therapieerfolg zu kontrollieren.

Für die Entwicklung dieser molekularen Pfadfinder, sogenannte Tracer oder Radiopharmaka, müssen die Moleküldesigner nicht nur die Chemie verstehen, sondern auch die klinische Situation sehr gut kennen.

Wissenschaftler sind dazu übergegangen, nach Prozessen oder einzelnen Proteinen zu fahnden, die fast nur im Tumor und selten im umliegenden Gewebe vorkommen. Haben sie ein solches spezifisches Protein aufgespürt, entwickeln sie im Labor das dafür passende Radiopharmakon.

Mit geeigneten Tomographen wie PET oder SPECT können die Nuklearmediziner anschließend die Verteilung der Radiopharmaka messen: Der Tumor und seine Metastasen werden sichtbar. Solche "Aktivitätslandkarten" können dem Strahlentherapeuten oder Chirurgen wichtige Hinweise für die optimale Therapie liefern.

Diese schnelle und präzise Entwicklung eines Radiopharmakons ist jedoch nur möglich, wenn Ärzte und Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Klinikern hofft Wester "eine Brücke schlagen zu können zwischen chemischer Grundlagenforschung und medizinischer Anwendung".

MEDICA.de; Quelle: Technische Universität München