Brücken bauen - Zwischen Technologie und Marketing

Interview mit Prof. Uwe Kleinkes, Studiengangsleiter für Technisches Management und Marketing an der Hochschule Hamm-Lippstadt

Marketing ist zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden. Wer heutzutage sein Produkt auf dem Markt etablieren möchte, muss die Interessen und Bedürfnisse des Kunden erkennen und umsetzen. Prof. Uwe Kleinkes leitet den Studiengang "Technisches Management und Marketing" an der Hochschule Hamm-Lippstadt. Hier lernen die Studierenden unter anderem Ideen zu entwickeln, diese zu vermitteln und den Kunden davon zu überzeugen. Auf der MEDICA stellen sie zwei Vermarktungskonzepte vor und versuchen so Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen.

23.11.2015

Foto: Uwe Kleinkes

Prof. Uwe Kleinkes; © Hochschule Hamm-Lippstadt

Prof. Kleinkes sprach im Interview mit MEDICA.de über die Projekte seiner Schützlinge, erfolgreiche Vermarktung und seine Motivation.


Herr Kleinkes, Sie sind dieses Jahr mit einigen Ihrer Studierenden auf der MEDICA. Was stellen Sie dort vor?

Uwe Kleinkes: Wir haben zwei Seminare: Zum einen die Vertiefung "Technologiemarketing" aus dem Studiengang Technisches Management und Marketing (TMM). Hier haben die Studierenden die Aufgabe erhalten eine Mikropumpe zu vermarkten. Wir planen auch ein Exponat mitzubringen. Ein Implantat, bei dem diese Mikropumpe auch eine Funktion hat. Sie sollen sich aber nur mit dieser Mikropumpe beschäftigen und sich überlegen, welche Kundengruppen relevant sind und wie sie sie ansprechen können. In unserem Campus Marketing Lab können wir digitale Marketing Medien erzeugen. Die Studierenden überlegen sich, wie sie so eine Pumpe in Szene setzen können, beschreiben was sie leisten kann und was die Einsatzgebiete sind. Zum anderen haben wir das Marketingseminar aus dem Masterstudiengang "Biomedizinisches Management und Marketing". Die Studierenden haben die Aufgabe einen Rollator mit beheizbaren Griffen zu vermarkten.

Wir möchten auf der Messe die Studiengänge vorstellen und mit Firmen ins Gespräch kommen, die im Bereich Marketing mehr machen möchten. Wir suchen nach Kooperationspartnern aus der gesamten Industrie, die Aufgaben für Studierende haben oder sich eine Begleitung durch einen Professor wünschen. Uns geht es insbesondere darum die Schnittstellen zwischen Technologie und Marketing zu besetzen. Die Studierenden haben einen besonderen Zugang zur Technologie, interessieren sich für die Vermarktung und bringen eine ganz neue Sichtweise mit. In anderen Bereichen wie Maschinenbau und Automotive machen wir das schon sehr erfolgreich und ich finde die Medizintechnik ist eine ganz wichtige Branche, in der wir auf jeden Fall aktiv werden möchten.
Foto: Mikropumpe im Einsatz

Studierende visualisieren die Funktionsweise einer Mikropumpe für die MEDICA; © Hochschule Hamm-Lippstadt

Was ist wichtig für eine erfolgreiche Vermarktung?

Kleinkes: Es hilft die Technologien zu verstehen. Was sind die Vor- und Nachteile? Was sind die Chancen und Risiken? Was macht die Technologie eigentlich? Daraus eine Idee zu entwickeln, wie das Ganze vermittelt und der Kunde davon überzeugt werden kann, gehört zu einer erfolgreichen Vermarktung. Oft interessieren sich die Kunden einzig und allein für den Nutzen. Wenn man gute Methoden und Möglichkeiten hat, beides dem Kunden näherzubringen, dann ergeben sich durchaus Vorteile. Oft haben wir entweder Ingenieure, die technikorientiert sind und in Problemen denken, oder Betriebswirtschaftler, die alles Mögliche übers Marketing wissen, aber nicht wie die technologieorientierte Branche tickt. Hier möchten wir eine Brücke bauen.

Was sind die schlimmsten Fehler, die ein Unternehmen im Marketing machen kann?

Kleinkes: Wenn man nicht konsequent vom Kunden aus denkt. Die Entwicklung einer tollen Sache bringt nicht viel, wenn der Kunde das nicht sieht. Stattdessen sollte genau das Gegenteil geschehen und das ist ein Teil unseres Studiengangs. Die Studierenden stehen im Rahmen ihrer Ausbildung mit in der Klinik und machen dort Seminare und lernen Ärzte kennen. Es ist ganz wichtig alle Kundengruppen zu verstehen. Dann kann im Marketing deutlich mehr bewirkt werden, als einfach nur zu meinen, was Gutes auf den Tisch zu legen.
Foto: Ministerin Svenja Schulze spricht mit Studierenden

Ministerin Svenja Schulze informiert sich bei TMM Studierenden über das Marketingprojekt; © Hochschule Hamm-Lippstadt

Was ist die Motivation hinter Ihrer Tätigkeit?

Kleinkes: Ich habe in meinem Berufsleben eine Menge Erfahrung gesammelt, die ich gerne weitergeben möchte. Ich war in meinem früheren Job, seit Jahren auf der COMPAMED unterwegs und auch in der Vermarktung von Produkten für die Medizintechnik aktiv. Das Wissen zu vermitteln ist für mich sehr wichtig. Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland bei technologiegetriebenen Unternehmen mehr ins Marketing investieren müssen. Hier stehen kleinere Firmen noch am Anfang. Dabei ist es wichtig, dass man in der Lage ist eine Marke aufzubauen. Es reicht nicht aus ein tolles Produkt zu haben. Das Marketing Know-how wird immer wichtiger.

Wie lange hatten die Studierenden für ihre Aufgaben Zeit?

Kleinkes: Wir haben Ende September mit dem Praxisprojekt angefangen. Die Studierenden müssen unter Zeitdruck Ergebnisse liefern, die man auf der Messe zeigen kann. Das ist schon eine große Herausforderung. Die meisten hatten noch nie damit zu tun. Unter meiner Anleitung haben sie jetzt angefangen sich Gedanken zu machen, Ziele zu formulieren und daraus digitales Marketing zu erzeugen.
Foto: Studierende bei Vorbereitungen für die MEDICA

Endspurt für den Messeauftritt auf der MEDICA. Die Studierenden klären die letzten organisatorischen Punkte für ihren Messeauftritt; © Hochschule Hamm-Lippstadt

Ihre Aufgabe auf der MEDICA ist es also den Studierenden im Notfall unter die Arme zu greifen?

Kleinkes: Ja genau, die Studierenden stehen im Vordergrund. Sie sollen auf der Messe Erfahrungen sammeln und im Prinzip das was sie können auch kommunizieren. Wenn daraus Kontakte zu Industrieunternehmen erwachsen, mit denen wir vielleicht im nächsten Jahr auf der MEDICA was machen können, freut uns das natürlich zusätzlich. Wir sind eine praxisorientierte Hochschule und es gibt ein breites Angebot mit uns zu kooperieren. Mit Studierenden, aber natürlich auch in der Forschung. Ich selber forsche im Bereich Marketing, aber es gibt auch Kollegen, die beispielsweise im Bereich Implantate unterwegs sind. Das vermitteln wir natürlich auf dem Messestand auch gerne weiter.