Bronchoskopie im Miniaturformat

02/02/2015
Foto: Zwei Mäuse

Das von der Charité entwickelte Miniaturbronchoskop ermöglicht die minimalinvasive Untersuchung der Lungen von kleinen Labortieren; © panthermedia.net/ stramyk

In der Humanmedizin sind endoskopische Lungenspiegelungen mittels Videobronchoskop gängige Praxis. Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben nun ein Miniatur-Bronchoskop entwickelt, das die Behandlung und Untersuchung von Kleintieren ermöglicht.

Für die experimentelle Lungenforschung ein entscheidender Schritt – künftig lassen sich deutlich genauere und aussagekräftigere Ergebnisse erzielen. Diese Daten dienen als Grundlage, um Entstehung und Entwicklung von Lungenerkrankungen beim Menschen besser zu verstehen. Erste Anwendungen sind im Fachmagazin American Journal of Respiratory Cell and Molecular Biology veröffentlicht.

Lungenerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen – entsprechend zahlreich sind Forschungen auf dem Gebiet der Pneumologie. Bei der Suche nach neuen Therapieansätzen sind Tierexperimente unerlässlich. Um dabei wiederholte Untersuchungen an Atemwegen und Lunge zu ermöglichen, hat ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern um Prof. Martin Witzenrath, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektologie und Pneumologie, und Prof. Andreas Meisel, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, nun ein Bronchoskop in Miniaturform entwickelt. Es ist das kleinste bisher vorhandene Gerät und in Zusammenarbeit mit Experten eines spezialisierten Herstellers entstanden.

Eine Herausforderung in der Lungenforschung beispielsweise an Mäusen ist die geringe Größe ihrer Atemsysteme. Mit der neuen Technik entwickeln die Berliner Wissenschaftler nun minimalinvasive Anwendungen für dieses Forschungsfeld. Genau lokalisierte Untersuchungen oder die gezielte Behandlung bestimmter Lungenregionen sind jetzt auf kleinstem Raum möglich. "Das Verfahren eröffnet neue Perspektiven in der Forschung und bessere Kontrollmethoden. Erstmalig lassen sich beispielsweise beide Lungenflügel getrennt voneinander behandeln und beobachten", so Witzenrath. Somit können Vergleichsstudien oder Verlaufsuntersuchungen an ein und demselben Tier durchgeführt werden. Das macht Ergebnisse der experimentellen Lungenforschung repräsentativer und genauer.

Die Bilder und Daten der fiberoptischen Miniaturbronchoskope sollen künftig dazu beitragen, Krankheitsmechanismen bei Menschen mit Lungenerkrankungen besser zu verstehen. Gleichzeitig hilft die neue Methodik, die Zahl von Untersuchungstieren entsprechend der internationalen Prinzipien zu reduzieren. Auch die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat sich den Baseler Zielen angeschlossen, Forschung im Tiermodell nach Möglichkeit zu ersetzen.

MEDICA.de; Quelle: Charité - Universitätsmedizin Berlin