Anlässlich des deutschen Kardiologen-Kongress in Dresden definieren die rund 2500 anwesenden Herzspezialisten das beste Ergebnis bei einer Behandlung nach einem Herzinfarkt innerhalb von einer Stunde, der so genannten "goldenen Stunde". Doch zeigen Daten des großen bundesweiten MITRA PLUS-Registers mit rund 30.000 Herzinfarktpatienten Erschreckendes: die PHZ stieg in den letzten zehn Jahren von 166 auf 255 Minuten.

Eine Studie am Herzzentrum Ludwigshafen konnte belegen, dass mit rund 60 Prozent der weitaus größte Anteil der PHZ-Verlängerung durch patientenbedingte Verzögerungen entsteht. Vor allem ältere Patienten, Frauen und Patienten, die durch Begleiterkrankungen wie Diabetes und Schlaganfall ein besonderes Risiko für Koronarerkrankungen tragen, haben eine längere PHZ. Auch Patienten nach einer Bypass-Operation oder aus Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte kommen später in die Klinik.

Besonders alarmierend sei das Fehlverhalten von Herzinfarktpatienten am Wochenende und während der Nachtstunden, so Tagungpräsident Prof. Dr. Jochen Senges. Trotz starker Brustschmerzen wird mit einem Notruf viel zu lange gewartet. Für den Behandlungserfolg ist bei einem akuten Herzinfarkt ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn von lebensrettender Bedeutung. Bei mehr als fünf Minuten Brustschmerzdauer sollte der Notarzt gerufen werden.

Senges sieht weitere öffentliche Kampagnen mit den Medien als wichtige Maßnahme, um den Slogan "Brustschmerz mehr als fünf Minuten - Notarzt rufen" in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern und so eine Verkürzung der PHZ zu erreichen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.