Bypass ohne Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen

Für betroffene Patienten habe dies große Vorteile - denn mit dem Einsatz dieses Gerätes sind auch eine Reihe von Risiken verbunden, berichtet Prof. Dr. Friedrich Vahl von der Universität Mainz. Negative Einflüsse auf das Immun- und Gerinnungssystem oder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Lungenentzündungen oder Wundinfektionen können die Folge sein.

Führende Herzchirurgen arbeiten daher kontinuierlich an der Entwicklung operativer Verfahren, bei denen es nicht notwendig ist, das Herz still zu legen und den Kreislauf künstlich zu unterstützen.

Möglich ist das heute etwa bei Bypass-Operationen. Werden sie im innovativen Off-pump-Verfahren durchgeführt, so wird zwar auch der Brustkorb geöffnet, aber das Herz mechanisch stabilisiert. Es kann weiter schlagen und seine Funktion als Blutpumpe erfüllen.

Von den knapp 72.000 Bypassoperationen, die hierzulande jährlich durchgeführt werden, liegt der Anteil der Eingriffe ohne den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine bei etwas mehr als sechs Prozent. In den USA, schätzen Experten, dürfte der Prozentsatz derartiger Eingriffe bald die 50 Prozent-Marke erreichen. "Eine Reihe von Studien beweisen, dass durch die neue Methode das Operationsergebnis qualitativ nicht beeinflusst wird und dass sich Bypässe nach einer Off-pump-Operation nicht schneller verschließen", fasst Vahl aktuelle Erkenntnisse zusammen.

An der Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universität Mainz wird bereits jede vierte Bypass-Operation ohne eine Herz-Lungen-Maschine durchführt. Bald könne es schon möglich sein, so Vahl, bei etwa der Hälfte der Bypass-Patienten auf die Herz-Lungen-Maschine zu verzichten.

Dies sei eine Perspektive, die vor allem für ältere Herzpatienten wichtig ist. Denn sie verkraften die Belastungen einer Operation mit Herz-Lungen-Maschine schlechter als ihre jüngeren Leidensgenossen.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung e.V.