Das Medulloblastom tritt bei Kindern meistens im Alter von sieben Jahren auf und zählt zu den häufigsten bösartigen Hirntumoren. Trotz intensiver Behandlungsmaßnahmen stirbt fast die Hälfte der jungen Patienten.

Wissenschaftler vom Brain Tumor Network am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg untersuchten Tumorgewebe von mehr als 200 Patienten, um aufzuklären, wie das Medulloblastom entsteht. Dabei korrelierten sie verschiedene genomische Faktoren und Substanzen mit dem Überleben der Patienten. Die Wissenschaftler stießen auf das Gen CDK6, das eine Schlüsselrolle für das Wachstum und die Differenzierung von Tumorzellen zu spielen scheint.

Sie fanden heraus, dass die Tumorerkrankung ungünstig verläuft, wenn mehrere Kopien von CDK6 vorliegen. Das Genprodukt lässt sich mit bereits etablierten, diagnostischen Verfahren gut nachweisen und kann den Ärzten als wichtiger Anhaltspunkt dienen, um zu beurteilen, wie es um ihre Patienten steht. Auch für den Einsatz in klinischen Studien eignet sich CDK6: Es weist darauf hin, ob und wie gut eine Behandlung bei den kleinen Patienten anschlägt.

Auch das Gen PPM1D, das schon von anderen Krebserkrankungen bekannt ist, scheint an der Entstehung von Medulloblastomen beteiligt zu sein. Die Forscher konnten nachweisen, dass sein Genprodukt in dem von ihnen untersuchten Tumorgewebe vermehrt produziert wird. PPM1D hebt die Wirkung eines anderen Gens auf, das die Krebsentstehung unterdrückt. Zellen, denen PPM1D fehlt, sind dagegen resistent gegenüber einer Entartung zur Krebszelle. Um die genaue Rolle von CDK6 und PPM1D bei der Entstehung von Medulloblastomen zu verstehen, müssen noch weitere Untersuchungen folgen. Dann könnten eines Tages neue, wirkungsvolle Therapien entwickelt werden.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Oncology 2005, Vol. 23, S. 8853-8862