COPD laut aktueller Studie weiter auf dem Vormarsch

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Umweltverschmutzung und COPD?
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Eigentlich waren die Zahlen auch 1996 schon alarmierend – damals nahm die WHO in einer Studie COPD genau unter die Lupe. Auf diese Untersuchung basierend gehen Selbsthilfegruppen und Fachverbände davon aus, dass die Lungenkrankheit 2020 die dritthäufigste Todesursache weltweit sein wird. Für die aktuelle Lage in Deutschland gibt es nur Schätzungen: „Wir gehen von mindestens fünf Millionen Erkrankten aus, die Dunkelziffer liegt wohl um einiges höher“, sagt Jens Lingemann von der Selbsthilfegruppe COPD, der selbst an der Krankheit leidet. Die deutsche Lungenstiftung hingegen nimmt an, dass drei bis vier Millionen Menschen an COPD leiden.

Der Hauptverursacher der Lungenkrankheit, die eigentlich ein Sammelbegriff ist für die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem, ist eine jahrelange Belastung der Lunge mit eingeatmeten Schadstoffen, vor allem Zigarettenrauch. Diese dauerhafte Schädigung der Lunge verengt die Bronchien dauerhaft und es entsteht eine Raucherlunge mit dem Symptom Raucherhusten. Husten, vermehrter Auswurf und Atemnot zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe, sind die Folge. Das Fatale: COPD kann nicht geheilt werden, weil die Lungenbläschen absterben. Sprays und Sauerstoff können lindern, im schlimmsten Fall hilft allerdings nur noch eine Lungentransplantation.

Einen aktuellen Überblick über die Krankheit liefern jetzt die Ergebnisse der internationalen Burden of chronic obstructive Lung Disease (BOLD)-Studie, die Ende letzten Jahres abgeschlossen wurde. BOLD wurde 2002 von der WHO gestartet, um in mehr als 35 Ländern auf allen Kontinenten weltweit Ergebnisse zu COPD zu erhalten. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) haben 750 Personen in Deutschland auf ihre Lungenfunktion, eventuell vorhandene Lungenerkrankungen und ihre Rauchgewohnheiten untersucht. Ihr Fazit: Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen treten weitaus häufiger auf als bislang gedacht.

„Die Ergebnisse sind erschreckend“, sagt Professor Tobias Welte, Direktor der MHH-Abteilung Pneumologie und Mitglied des Untersuchungskomitees von BOLD. Jeder siebte Teilnehmer leide an einer COPD. Besonders auffällig sei die Zahl rauchender Frauen. Bei fast zehn Prozent der teilnehmenden Frauen, die älter als 40 Jahre sind, konnten die Wissenschaftler eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung nachweisen. Im Durchschnitt fanden die Forscher bei jedem fünften rauchenden Studienteilnehmer eine COPD. Allerdings stellte sich auch heraus, dass ein Drittel der Nichtraucher ebenfalls an COPD leiden. „Die Risiken von Nichtrauchern für die Entwicklung der Krankheit wurden bisher unterschätzt und müssen in Zukunft intensiver beforscht werden“, sagt Welte. Welche Rolle die Umweltverschmutzung bei dem Lungenleiden spiele sei im Moment noch nicht klar.

Trotz der Schwere der Krankheit wird COPD in Deutschland nicht thematisiert und ist weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit. Der Grund: „ Viele Ärzte erkennen die Krankheit gar nicht. Dies gilt im Besonderen für Allgemeinmediziner“, meint Lingemann. Welte bestätigt die Ansicht des selbst Betroffenen: „Viele Ärzte diagnostizieren fälschlich eine Asthma-Erkrankung.“ Das Problem liege auf der Hand: „Über Jahre hinweg wurde die Forschung an dieser Erkrankung nicht unterstützt. Das Problem wurde einfach nicht ernst genommen.“ Aber auch die Patienten selber machen nicht gerne auf das Problem COPD aufmerksam. „Die Krankheit ist zu 90 Prozent eine Rauchererkrankung. Keiner gibt es gerne zu, selber Schuld an seinem Leiden zu sein“, so Welte.

Wie eine Studie des Robert-Koch-Institutes über die Entwicklung des Zigarettenkonsums belegt, gehen die Raucherzahlen zwar zurück, junge Menschen, vor allem Frauen, ziehen aber weiter an den Glimmstängeln. Viele Migranten ebenfalls. Welte ist sich sicher: „COPD wird uns noch lange begleiten. Dabei ist die Prävention so simpel: einfach aufhören zu rauchen.“

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