CT-Koronarangiografie – geringere Risiken, tieferer Einblick ins Herz

16/11/2015
Foto: Bildschirme mit 3D Darstellung des Herzens

An einer Workstation werden die Daten im Anschluss ausgewertet; © beta-web

Bisher galt die katheterbasierte Koronarangiografie als State-of-the-Art in der Diagnose der Koronaren Herzkrankheit. Die Herzkranzgefäße werden dabei mittels eines Katheters untersucht. Diese Methode ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Eine risikoarme Variante stellt die Untersuchung mittels Computertomograf (CT) dar – die sogenannte CT-Koronarangiografie.

Das Für und Wider der Koronarangiografie sowie der CT-basierten Methode diskutieren Experten am Dienstag auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE.


Die Koronare Herzkrankheit (KHK) entsteht durch die Verengung der Herzkranzgefäße durch Fett- oder Kalkablagerungen. Die zuverlässigste Methode, solche Verengungen zu erkennen, war bisher die sogenannte Koronarangiografie. Dabei wird ein Katheter über eine Arterie in der Leiste oder im Arm bis zum Herzen geschoben und darüber ein Kontrastmittel injiziert. Mit Röntgenstrahlen können die Herzkranzgefäße danach sichtbar gemacht werden.

Die Risiken der konventionellen Herzkatheteruntersuchung liegen dabei in mehreren Punkten. Erstens handelt es sich dabei um ein invasives Verfahren. Schon beim Einführen des Katheters können Verletzungen verursacht werden und Blutungen oder Aneurysmen entstehen. Im weiteren Verlauf können mit dem Katheter Plaques in der Hauptschlagader gelöst werden oder das Koronargefäß Schaden nehmen. Durch den Katheter können außerdem Herzrhythmusstörrungen, bis hin zum Kammerflimmern, Herzinfarkt oder Schlaganfälle ausgelöst werden. "Deshalb sollte eine Koronarangiografie nur nach strenger Abwägung vorgenommen werden", sagt Prof. Jörg Barkhausen, Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Mitglied des Programmkomitees der MEDICA EDUCATION CONFERENCE für den Bereich Radiologie und Nuklearmedizin.

 
 
Foto: dreidimensionale plastische Darstellung des Herzens

Die Softwäre ermöglicht es auch, einzelne Herzkranzgefäße hervorzuheben und aus allen Perspektiven zu untersuchen; © beta-web

CT verschafft besseren Blick ins Herz


Nicht-invasive Untersuchungsalternativen sind daher gefragt wie nie. Mit der CT-Koronarangiografie wurde nicht nur ein patientenschonendes, nicht-invasives Verfahren entwickelt, sondern auch eine Methode geschaffen, um das Herz originalgetreu dreidimensional abzubilden.

Das Kontrastmittel wird dabei lediglich über die Vene verabreicht. Die Aufnahmen werden gemacht, sobald die maximale Kontrastmitteldichte im Gefäßbaum des Herzens erreicht ist, was lediglich eine Viertelsekunde dauert. Im CT werden Röntgenaufnahmen schichtweise erstellt. Sie ermöglichen es, das gesamte Volumen des Herzens zu beurteilen.

Im Anschluss werden die Bilder an einer Workstation, einem leistungsstarken Rechner, ausgewertet und zu dreidimensionalen Bilddaten zusammengefügt. Erhobene Befunde können so auch plastisch dargestellt werden. So kann das Herz im Nachhinein von oben bis unten auf Plaques oder Stents untersucht werden.

Interventionsbedürftige KHK ausschließen oder nachweisen


Die katheterbasierte Koronarangiografie könnte so schon bald der Vergangenheit angehören – zumindest, was die Diagnostik betrifft. "Die CT-Koronarangiografie kann in den meisten Fällen eine interventionsbedürftige KHK ausschließen oder nachweisen. Nur bei Nachweis der Stenose ist dann eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich", erläutert Barkhausen. "Die Deutsche Agentur für Health Technology Assessment empfiehlt die CT-Koronarangiografie für Patienten mit mittlerem KHK-Risiko daher als 'Vorschalttest', um unangemessene invasive Untersuchungen zu vermeiden."

Mehr darüber, welches Verfahren sich bei welchen Indikationen eignet, erfahren Sie in der Session "Kardiologie: Welche Bildgebung bei Verdacht auf koronare Herzerkrankung?"

MEDICA EDUCATION CONFERENCE, 17.11.2015 von 9:00 - 10:30 Uhr, CCD Süd, 1.OG, Raum 16

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Foto: Melanie Günther

© Barbara From-
mann-Czernik






Melanie Günther
MEDICA.de