Nach einer leichteren traumatischen Gehirnverletzung sind depressive Episoden keine Seltenheit. Es ist Aufgabe der Medizin, Hochrisikopatienten für solche depressiven Episoden zu finden, um sie rechtzeitig einer geeigneten Behandlung zuführen zu können. Das senkt nicht nur die Mortalität sondern kann auch den häufigen Verlust an Produktivität minimieren. Nur: Welche Patienten neigen nach einer Gehirnverletzung besonders stark zu Depressionen?

Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Harvey S. Levin am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, USA, hat sich dieser Frage genähert und versucht, Risikofaktoren zu identifizieren. Prospektiv verfolgten die Wissenschaftler 129 Patienten im Alter von 16 Jahren oder älter, die eine leichte Gehirnverletzung erlitten hatten. Deren Glasgow-Rating-Scores lagen bei 13 oder höher.

Alle Patienten unterzogen sich einer computertomographischen Untersuchung und wurden eine Woche nach der Verletzung mit Hilfe der „Center for Epidemiologic Studies Depression Scale“ psychiatrisch untersucht. Drei Monate später wurden alle noch einmal mit dem „Structured Clinical Interview for the DSM-IV“ getestet. 15 der Patienten (11,6 Prozent) mussten danach als depressiv eingestuft werden.

Eine Analyse zeigte, dass das Risiko für eine depressive Episode nach Gehirnverletzung mit dem Alter steigt: und zwar mit jedem Lebensjahr um etwa vier Prozent. Ein besonders hohes Risiko haben jene Patienten, die Abnormalitäten in der Computertomographie aufweisen: Deren Risiko einer depressiven Episode ist 7.68-fach erhöht.

Die Studienautoren schlagen vor, auf der Basis dieser Befunde einen Score zu entwickeln, um Hochrisikopatienten rechtzeitig identifizieren zu können.

MEDICA.de; Quelle: Archives of General Psychiatry 2005, Vol. 62, S. 523-528