Bild: Eine Hanfplfanze 
Hanfmedikamente könnten
bald Schmerzen stillen, ohne
zu berauschen; © Pixelio.de

Das haben Wissenschaftler gezeigt. Die Schmerzen werden vor allem an den Nervenfasern unterdrückt, während Rausch und Muskellähmungen überwiegend in Gehirn und Rückenmark entstehen. Die neuen Erkenntnisse könnten zu Cannabinoid-Medikamenten führen, die gezielt die Schmerzen bekämpfen, ohne gleichzeitig gefährliche Begleiterscheinungen hervorzurufen.

Bisher galt die Vermutung, dass Cannabinoide vor allem im Zentralen Nervensystem, also in Gehirn und Rückenmark, sowohl ihre schmerzlindernde Wirkung als auch die unerwünschten Effekte entfalten. Dass Cannabinoide auch in den peripheren Teilen des Nervensystems wirken können, war bekannt. Aber dass diese als Hauptwirkungsorte der Schmerzlinderung fungieren, galt als unwahrscheinlich.

Mit Hilfe gentechnisch veränderter Mäuse konnten die Heidelberger Forscher jetzt diese Vorstellung widerlegen: Mäuse, die in den peripheren Nervenfasern keine Cannabinoid-Rezeptoren ausbilden, im Zentralen Nervensystem jedoch über ein funktionierendes Rezeptor-System verfügen, zeigten eine stark erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen.

"Die körpereigenen Cannabinoide vermitteln ihre schmerzlindernde Wirkung also hauptsächlich über intakte periphere Nervenfasern und nicht über das Zentrale Nervensystem", erklärt Rohini Kuner, Professorin für Pharmakologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg. Auch eine Behandlung der Tiere mit Cannabinoiden blieb bei den gentechnisch veränderten Mäusen erfolglos.

Die üblichen Nebenwirkungen wie Rausch und Lähmungen bildeten sich jedoch aus. "Damit konnten wir bestätigen, dass die unerwünschten Begleiterscheinungen vor allem durch Prozesse in Gehirn und Rückenmark entstehen", sagt Kuner. "Denkbar wäre es, die erwünschten von den unerwünschten Wirkungen zu trennen. Cannabinoide könnten im Labor so verändert werden, dass sie als Medikamente in den peripheren Nervenfasern ihre schmerzstillenden Effekte entfalten, die so genannte Blut-Hirnschranke aber nicht mehr passieren können."

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg