Cannabis ist diejenige illegale Droge, die in Europa und den USA am häufigsten genutzt wird. Obwohl man weiß, dass Cannabis-Missbrauch vorübergehende Vergiftungen mit Psychosen hervorrufen kann, sind die Langzeiteffekte des Cannabis-Konsums noch weitgehend unerforscht und umstritten. Nun haben Wissenschaftler in einer Meta-Analyse das bisherige Wissen auf diesem Gebiet zusammengetragen:

Mit Hilfe medizinischer Datenbanken fanden die Forscher elf Studien, die den Zusammenhang zwischen Cannabisnutzung und Psychosen erforschten. 24 weitere Studien untersuchten den Zusammenhang mit affektiven Störungen.

Nachdem man störende Faktoren wie Alter, Geschlecht und anderes herausgerechnet hatte, zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Einnahme von Cannabis und dem Risiko, irgendwann an einer Psychose zu erkranken: Personen, die irgendwann in ihrem Leben Cannabis geraucht haben, erhöhen ihr Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken, um 40 Prozent. Dabei gibt es einen Dosis-Wirkungs-Effekt: Je länger die Drogenkonsumenten Cannabis einnehmen, desto höher das Psychoserisiko. Personen, die regelmäßig viel Cannabis nutzen, haben sogar ein Risiko, das bis zu 200 Prozent über jenem der Allgemeinbevölkerung liegt.

Weniger eindeutig war die Datenlage in Bezug auf Depressionen oder Suizidalität und affektive Störungen. Einige Studien deuten darauf hin, dass das Risiko für Depressionen bei heftigem Cannabiskonsum um 60 Prozent steigen könnte, doch dies ist nicht eindeutig.

Aus diesen Erkenntnissen lässt sich immerhin errechnen, dass in Großbritannien jedes Jahr 800 Fälle von Schizophrenie klar auf das Konto von Cannabismissbrauch gehen. Die Studienleiter warnen jedenfalls davor, Cannabis als angeblich unschädliche Droge zu verharmlosen.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2007, Vol. 370, S. 319-328