Der übliche Blutmarker für eine anaphylaktische Reaktion ist die Tryptase, ein Enzym der Mastzellen. Ist dessen Spiegel erhöht, deutet das auf eine Anaphylaxie hin. In vielen Fällen einer anaphylaktischen Reaktion ist dieses Enzym jedoch nicht nachweisbar.

Eine englische Arbeitsgruppe der University of Southampton hat sich daher nun einem anderen möglichen Anaphylaxie-Marker zugewandt: der Carboxypeptidase. Dieses Enzym wird von Mastzellen während einer anaphylaktischen Reaktion gebildet und gemeinsam mit der Tryptase ausgeschüttet.

Die Arbeitsgruppe untersuchte mit Hilfe eines modernen ELISA-Tests die Serum- und Plasmakonzentrationen der Carboxypeptidase bei 181 Patienten mit Anaphylaxie, 30 Fällen systemischer Mastozytose und 209 gesunden Blutspendern sowie 15 Patienten mit Asthma als Kontrollgruppen.

Die Carboxypeptidase-Spiegel waren bei Patienten mit anaphylaktischer Reaktion signifikant höher als bei den Kontrollgruppen (p kleiner 0.0001). In einigen Fällen waren die Spiegel sogar um das 100-fache höher. In 83 Prozent jener Fälle, wo die Tryptase erhöht war, galt dies auch für die Carboxypeptidase. Allerdings korrelierten die Spiegel dieser beiden Proteine nicht miteinander. Wichtig ist in den Augen der Studienleiter vor allem ein besonderer Aspekt: In 77 von 110 Fällen (70 Prozent) einer Anaphylaxie, wo der Tryptase-Spiegel nicht erhöht war, war der Spiegel der Carboxypeptidase dennoch deutlich erhöht.

„Nach unserem Eindruck könnte sich die Messung der Carboxypeptidase als wichtiger Labortest in der Diagnose einer Anaphylaxie etablieren“, sagten die Studienleiter auf dem Jahreskongress der „American Academy of Allergy, Asthma and Immunology (AAAAI)“ in Miami Beach. Dies könnte von Vorteil sein, wenn Patienten mit anaphylaktischen Beschwerden in der Notfallaufnahme erscheinen und der Tryptase-Test nicht anschlägt.

MEDICA.de; Quelle: American Academy of Allergy Asthma and Immunology (AAAAI) Jahreskongress 2006