Im aktuellen Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst wird teilweise der Eindruck erweckt, der öffentliche Dienst in Deutschland sei aufgebläht und es gebe erhebliche Reserven für Einsparungen. Wie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Modernisierung des öffentlichen Sektors zeigen, gibt es in einzelnen Bereichen tatsächlich ungenutzte Möglichkeiten, öffentliche Dienstleistungen billiger und effizienter anzubieten. Das Plädoyer für einen besseren öffentlichen Dienst bedeutet jedoch keineswegs, dass der Staat sich aus der Entwicklung öffentlich verantworteter Dienstleistungen in Deutschland zurückziehen dürfte.

Insbesondere bei der Entwicklung der viel versprechenden Zukunftsbranchen Bildungswesen und Gesundheitswirtschaft ist mehr öffentliches Engagement und mehr öffentliche Verantwortung gefordert. Die Forschungsergebnisse des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) im Bildungswesen und der Gesundheitswirtschaft belegen die besonders großen Wachstumsmöglichkeiten in diesen Bereichen. So ist in der Gesundheitswirtschaft in NRW in den nächsten 15 Jahren ein Beschäftigungsplus von bis zu 200.000 Arbeitsplätzen möglich. Ebenso bringen Investitionen in Bildung, beispielsweise in die frühe Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, einen hohen volkswirtschaftlichen Ertrag.

Die Bedeutung von Bildung und Gesundheit für das Beschäftigungsniveau wird auch durch den EU-Vergleich belegt. Deutschland ist sowohl bei der Gesamtbeschäftigung als auch bei der Beschäftigung im Bildungs- und Gesundheitswesen bislang lediglich im EU-Mittelfeld. Länder mit hohen Beschäftigtenanteilen im Bildungs- und Gesundheitswesen weisen dagegen eine überdurchschnittlich hohe Gesamtbeschäftigung auf. Eine vergleichbare Strategie wäre Deutschland dringend anzuraten.

MEDICA.de; Quelle: Institut Arbeit und Technik