Chancen für neue Medikamente

Den Forschern gelang es erstmals, einen Rezeptor zu identifizieren, der beim Haarwachstum eine Rolle spielt. Die Wissenschaftler unter Leitung der Universität Bonn hoffen, dass die Ergebnisse zu neuen Therapien bei verschiedenen Formen des Haarausfalls führen können. Die Krankheit trifft sowohl Männer als auch Frauen. Die Betroffenen beginnen in der Regel schon im Kindesalter, kahl zu werden. Der Haarausfall schreitet mit den Jahren weiter fort und betrifft besonders die Kopfbehaarung.

Ursache für die jetzt untersuchte Form der Hypotrichosis simplex ist ein Gendefekt. Er sorgt dafür, dass bestimmte Empfängerstrukturen auf der Oberfläche von Zellen des Haarfollikels nicht mehr korrekt gebildet werden. Wenn Botenstoffe von außen an diese Rezeptoren binden, setzen sie im Zellinnern eine Reaktionskette in Gang, die offensichtlich zur normalen Funktion des Haarfollikels notwendig ist. Bisher war kein derartiger Rezeptor bekannt, der eine spezifische Rolle für das Haarwachstum spielt.

Die gute Nachricht: "Die defekte Empfängerstruktur zählt zur Klasse der G-Protein gekoppelten Rezeptoren", erläutert Professor Dr. Markus Nöthen, Professor für Genetische Medizin vom Life & Brain Zentrum der Universität Bonn. "Und diese eignen sich in besonderem Maße als Angriffspunkte für Medikamente." Die Forscher konnten auch einen körpereigenen Botenstoff identifizieren, der im Haarfollikel an den Rezeptor bindet.

Damit ergeben sich Chancen für die Entwicklung neuer Wirkstoffe. "Wir können jetzt gezielt nach verwandten Substanzen suchen, die sich bei der Therapie von Haarverlust einsetzen lassen", blickt Professor Dr. Ivar von Kügelgen vom Bonner Institut für Pharmakologie und Toxikologie in die Zukunft. Möglicherweise können von derartigen Medikamenten Patienten profitieren, die unter ganz verschiedenen Formen von Haarausfall leiden.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn