Chancen werden zu oft vertan

Die Wartezeit für Spenderorgane ist häufig lange und beträgt bei Herz, Lunge, Leber oder Bauchspeicheldrüse ein bis zwei Jahre, bei einer Niere sogar fünf bis sechs Jahre. Sowohl Patientenorganisationen als auch die Bundesärztekammer sehen die Politik in der Pflicht, dem Organmangel zu begegnen.

Die Ärzteschaft hat wiederholt gefordert, Transplantationsbeauftragte flächendeckend in den Kliniken einzusetzen, um die Zahl der Organspenden in Deutschland deutlich zu erhöhen. Diese Beauftragten müssten hierbei unmittelbar an die Krankenhausleitung angebunden werden. "Ohne Transplantationsbeauftragte besteht die Gefahr, dass die Chance auf ein gesundes Spenderorgan vertan wird, obwohl ein Organspendeausweis vorliegt oder Angehörige bereit wären, einer Spende zuzustimmen", warnt Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe.

Zwar seien Krankenhäuser schon jetzt gesetzlich verpflichtet, potenzielle Spender zu melden. In vielen Kliniken fehle es jedoch an Personal und an zeitlichen Kapazitäten. "Für Patienten ist es lebenswichtig, dass alle Möglichkeiten für Organspenden auch tatsächlich genutzt werden", so Hoppe.

Vor allem Patientenverbänden von schweren und chronischen Erkrankungen ist das Thema Organspende sehr wichtig, da viele dieser Erkrankungen wie etwa die chronische Lebererkrankung PSC ein Organversagen zur Folge haben. Defacto kann jedoch jeder einmal auf ein Spenderorgan angewiesen sein.

Susanne In der Smitten, Referentin des deutschen Arbeitskreises PSC, der sich innerhalb der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e.V) organisiert, fordert noch eine weitere Maßnahme: "Die Bürgerinnen und Bürger müssten öfter gefragt werden, ob sie Organe spenden würden. Ein guter Zeitpunkt wäre bei jeder Beantragung eines neuen Personalausweises."

Ziel ist es, dass mehr Menschen einen Organspendeausweis stets bei sich tragen. Das ist deshalb nötig, da dieser nicht hinterlegt und von keiner offiziellen Stelle registriert wird. Einer Umfrage der BZgA zufolge ist die Bereitschaft der Allgemeinbevölkerung zur Organspende sehr groß. 74 Prozent wären grundsätzlich damit einverstanden, dass man ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnimmt. Einen Organspendeausweis tragen jedoch nur 25 Prozent bei sich.

MEDICA.de; Quelle: Bundesärztekammer