Chaos, wenn der Virus zum Menschen springt

Probleme, falls das Virus nicht
nur Vögel bedroht; © PixelQuelle.de

"Wenn es aufgrund des Vogelgrippe-Virus zu einer Pandemie unter Bürgern kommen sollte, dann brechen die gesundheitliche Versorgung und die öffentliche Ordnung zusammen", meint Prof. Dr. Hans-Martin Sass vom Zentrum für Medizinische Ethik der Ruhr-Universität.

Der Wissenschaftler hat sich mit der "Medizinischen Ethik bei Notstand, Krieg und Terror" befasst und bei Recherchen festgestellt, dass staatliche Institutionen, Mediziner und Bürger in Deutschland mangelhaft auf Notstandssituationen vorbereitet sind. Er plädiert dafür, dass Bürger weitaus umfangreicher informiert und beraten werden sollten, dass Katastrophenmedizin in die Ausbildung von Ärzten und Pflegern aufgenommen und dass Gesundheitswesen und Ordnungskräfte auf einen möglichen Katastrophenfall besser vorbereitet werden sollten.

Sollte das H5N1-Virus tatsächlich auf den Menschen übergreifen und weltweit Millionen infizieren, hätten Krankenhäuser viel zu geringe Kapazitäten und das öffentliche Leben, die Versorgung mit Lebensmitteln und Energie würde zusammenbrechen – so sieht Sass das Szenario.

Der Medizinethiker bescheinigt der Bundesrepublik eine mangelhafte Vorbereitung auf diesen Fall: "Die systemische Tendenz staatlicher Bürokratien zu Geheimniskrämerei und Geheimhaltung uninformierten Bürgern gegenüber, denen man die Konfrontation mit außerordentlichen und nicht sehr erfreulichen Informationen und Ratschlägen ersparen will, ist im Falle des Unterlassens lebenswichtiger Information (…) ordnungspolitisch unakzeptabel und unverantwortlich".

Er fordert die vorsorgliche Bereitstellung von Medikamenten und Vorräten, vor allem aber die frühzeitige umfassende Information und Beratung der Bevölkerung. Panikmache sei aber ebenso fehl am Platz: Die USA rufen ihre Bürger seit September 2001 fortwährend zur Wachsamkeit auf - eine unmögliche Forderung.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum