Wir sind umgeben mit Chemikalien, die toxisch sind und die Gesundheit schädigen können. Viele dieser Chemikalien machen dem gesunden Erwachsenen in geringen Mengen nichts aus, können jedoch dem Gehirn des Ungeborenen großen Schaden zufügen, wenn sie über die Placenta zur Leibesfrucht gelangen.

Zu diesem beunruhigenden Ergebnis kommt eine US-amerikanische Übersichtsstudie, für die die Autoren unter anderem Daten aus der "US National Library of Medicine hazardous substances data bank" und der "US Agency for Toxic Substances and Disease Registry" zu Rate zogen. Alle Daten zusammen betrachtet lassen nach Ansicht der Studienleiter den Schluss zu, dass sich die Menschen schleichend selbst vergiften, indem sie zulassen, dass Gift in winzigsten Mengen an das Ungeborene gerät und dort zerebrale Schäden verursachen kann.

Der Übersichtsartikel bezieht sich vor allem auf fünf chemische Substanzen beziehungsweise Substanzgruppen: Blei, Methylquecksilber, polychlorierte Biphenyle (PCB), Lösungsmittel und Pestizide. Alle seien bekannt dafür, im Mutterleib neurologische Störungen bei Ungeborenen verursachen zu können. Obwohl es in zwischen Programme dafür gibt, viele dieser Substanzen in der Umgebung zu verringern – wie zum Beispiel bleifreies Benzin – seien diese Programm zu spät gekommen, bemängeln die Autoren.

Zudem gibt es mindestens 200 weitere Substanzen, die ebenfalls neurotoxisch sind, aber weit weniger bekannt in der Bevölkerung.

Berechnungen haben nach Angaben der Autoren ergeben, dass drei Prozent der Entwicklungsstörungen bei Ungeborenen direkte Folge von Chemikalienexposition sind, weitere 25 Prozent sind das Ergebnis von Chemikalien in Verbindung mit einer besonderen genetischen Veranlagung. Die Autoren fordern daher, bei der Entwicklung neuer Chemikalien die Tests zu verschärfen.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2006, Vol. 368, S. 2167-2178