Chlamydien weniger gefährlich als befürchtet

Chlamydien: Haben einen Teil ihrer
Bedrohlichkeit verloren; © PHIL

Gute Neuigkeiten von einem internationalen Forscherteam, das von Dr. Nicola Low vom Institut für Präventiv- und Sozialmedizin der Universität Bern geleitet wird: Die Gefahr für junge Frauen, bei einer genitalen Chlamydieninfektion eine Eileiterschwangerschaft zu erleiden, beträgt nur 2.7%, und das Risiko der Unfruchtbarkeit liegt bei 6.7%.

Die Zahlen stammen aus einer langjährigen Kohortenstudie, in der im schwedischen Uppsala 44'000 Frauen zwischen 15 und 24 Jahren von 1985 bis 1989 auf Chlamydien getestet wurden. Die gynäkologische Gesundheit dieser Frauen wurde bis 1999 auf eventuelle Folgen einer früheren Chlamydieninfektion untersucht.

Das Team um Nicola Low fand auf Grund eines Datenvergleichs heraus, dass eine frühere Chlamydieninfektion das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen oder ungewollte Kinderlosigkeit zwar erhöhte, dass diese tatsächlich aber weniger häufig auftraten, als dies frühere Studien suggerierten. Neuere Studien zeigen zudem, dass bei rund der Hälfte der Patientinnen, bei denen sich keine Symptome zeigen, die Infektion innerhalb eines Jahres von alleine abklingt, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.

Somit stellt sich die Frage, ob der Nutzen von regelmäßigen Chlamydientests nicht überschätzt wird. Eine frische Chlamydieninfektion kann mittels verschiedener, aber teurer Testverfahren ermittelt werden. "Eine niedere Rate von Chlamydien-Komplikationen ist eine erfreuliche Nachricht für die einzelne Patientin, aber damit stellt sich auch die Frage nach den Kosten und dem Wert heutiger Testverfahren", stellt Nicola Low fest. Es brauche eine neue realistische Einschätzung der Art und Häufigkeit von Chlamydien-Tests.

MEDICA.de; Quelle: Universität Bern