Cystatin C ist ein Proteasenhemmer, der von den Zellen ins Blut abgegeben und von den Nieren gefiltert und metabolisiert wird. Er eignet sich daher als Marker der renalen Funktion, der unabhängig von Alter, Geschlecht und Muskelmasse ist. Allgemein wird jedoch das Kreatinin als der Standardmarker für die renale Funktion angesehen. In einer Studie sollte nun Kreatinin mit Cystatin C verglichen werden hinsichtlich des prädiktiven Wertes für die kardiovaskuläre Mortalität beziehungsweise die Gesamtmortalität.

Studienteilnehmer waren Probanden der "Cardiovascular Health Study": 4.637 ältere Menschen, die 1992 bis 1993 für diese Studie rekrutiert und bis Juni 2001 nachverfolgt wurden. In Bezug auf den Kreatinin- beziehungsweise Cystatin C-Wert wurden sie jeweils in Quintilen unterteilt.

Höhere Cystatin C-Werte waren in einer direkten Relation mit einer höheren Gesamtmortalität assoziiert. Im Vergleich zu den Personen, deren Cystatin C-Wert in der untersten Quintilen lag, stieg das Todesrisiko mit aufsteigenden Quintilen auf 1.08, 1,23, 1.34, und 2.58. Im Gegensatz dazu zeigte sich beim Kreatininwert eine J-förmige Kurve als Zusammenhang zwischen Quintile und Gesamtmortalität.

Deutlich besser schnitt Cystatin C auch als Marker kardiovaskulärer Todesursachen ab: Im Vergleich zu den beiden kombinierten niedrigsten Quintilen des Cystatin C (Cystatin C kleiner als 0.99 mg/l) hatten Personen in der höchsten Quintile des Cystatin C (mehr als 1.29 mg/l) ein signifikant höheres Risiko, aus kardiovaskulären Gründen zu versterben (relatives Risiko: 2.27), einen Herzinfarkt zu erleiden (relatives Risiko: 1.48) oder einen tödlichen Schlaganfall zu erleiden (relatives Risiko: 1.47).

Beim Vergleich der höchsten Quintile des Kratininwertes mit der niedrigsten Quintile zeigte sich dagegen keinerlei Zusammenhang mit irgendeinem kardiovaskulären Mortalitätsrisiko.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2005, Vol. 352, S. 2049-2060,2122-2124