Damit die Galle nicht überläuft

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) aus Braunschweig haben die Gallenstents von Patienten aus Kliniken in Salzgitter und Braunschweig untersucht. Sie wollten wissen: Welche Bakterien wachsen in den Stents? Dieses Wissen soll in Zukunft die Entwicklung von Medikamenten erleichtern, die zielgerichtet gegen die Biofilme wirken.

Den Forschern der HZI-Abteilung "Mikrobielle Pathogenität" dienten als Probenmaterial Gallenstents von Patienten, denen alte Katheter entnommen und durch neue ersetzt wurden. Dabei arbeiteten sie mit der Chirurgischen Klinik des Klinikums Braunschweig und der Inneren Medizin des Klinikums Salzgitter zusammen, eine der größten Klinik in der Region. "Der Vorteil ist, dass wir sehr viele Proben zum Vergleich erhielten", sagt Dietmar Pieper, Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung "Mikrobielle Pathogenität". "Diese große Menge an Proben konnten wir nur untersuchen, indem wir nicht versuchten, die Bakterien in der Kulturschale zu züchten, sondern besondere, sogenannte kultivierungsunabhängige Methoden nutzten", sagt Pieper. Die Fragen, die sich die Forscher stellten waren: Wie setzt sich die Bakteriengemeinschaft in den Gallenstents zusammen und gibt es Tendenzen, welche Bakterien besonders häufig vorkommen?

Grundsätzlich konnten die Forscher erkennen, dass es immer wiederkehrende Hauptbesiedler gibt, wie das Bakterium Streptococcus anginosus. Wechselwirkungen und Abhängigkeiten unter den Bakterien erfassten die Forscher außerdem statistisch. "Wir konnten zeigen, dass die Besiedlung der Stents Prinzipien folgt, die denen der Biofilm-Bildung von zum Beispiel Zahnbelag ähneln", sagt Pieper. "Bestimmte Bakterien legen den Grundstein für die Besiedlung der Gallenstents. Sie können aber auch verhindern, dass andere Arten sich einnisten", so der Forscher.

In Zukunft möchten die Wissenschaftler untersuchen, welche Rolle zum Beispiel eine gesunde Lebensweise auf die Zusammensetzung von Biofilmen spielt. Mit diesen Ergebnissen sei ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung neuer Methoden und Medikamente gelegt worden.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung