Dank Gentherapie bleibt das Bein dran

Bei der so genannten TALISMAN 201-Studie handelt sich um die weltweit erste Studie zur Überprüfung der Gentherapie bei Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen der Beine, bei denen andere Behandlungsmöglichkeiten, wie eine Bypass-Operation oder eine Katheterbehandlung zur Aufsprengung verstopfter Gefäße, nicht in Frage kommen. Die Hoffnung, die in die Gentherapie gesetzt wurde, bestand darin, das Risiko einer drohenden Amputation zu verringern.

Wie Prof. Dr. Sigrid Nikol vom Universitätsklinikum Münster (UKM) bei einem großen Herzkongress in Atlanta, USA berichtete, wurde durch die Einschleusung eines Gens, das die Bildung neuer Blutgefäße auslösen kann, die Gefäßneubildung tatsächlich stimuliert, die Durchblutung der Beine und damit auch die Sauerstoff-Versorgung des Organismus besserte sich nachhaltig und die Gefahr einer Amputation konnte dadurch signifikant reduziert werden. Als "Genfähre", mit der das Genprodukt in den Organismus geschleust wurde, diente bei dieser Studie ein Plasmid. Das die Gefäßbildung ankurbelnde Gen wurde in das Genom des Plasmids eingebaut und anschließend in die Beinmuskulatur gespritzt.

Nach den ermutigenden Erfolgen der Gentherapie bei den insgesamt 107 Patienten, bei denen sie im Rahmen der Studie zum Einsatz kam, sollen die Ergebnisse jetzt in der so genannten Phase III-Studie an einer größeren Zahl von Patienten überprüft werden. Sollten sich die hohen Erwartungen weiter bestätigen, dürfte die Gentherapie eine vielversprechende neue Perspektive bei der Behandlung einer lebensgefährlichen Volkskrankheit bieten, die betroffenen Patienten sowohl eine Amputation erspart, als auch ihr Risiko eines tödlichen Herzinfarktes oder Schlaganfalls nachhaltig reduziert.

MEDICA.de; Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster