Tumor: Darmentzündung begünstigt Darmkrebs

20.03.2013

Foto: Gewebeschnitt

Mikroskopische Aufnahme eines Gewebsschnitts durch einen Dickdarmtumor mit Spezialfärbung: Die blau angefärbten Zellen produzieren den Wachstumsfaktor Epiregulin; © FAU

Ein internationales Forscherteam hat unter Federführung des Universitätsklinikums Erlangen zeigen können, dass bestimmte Bindegewebszellen ein wichtiges Brückenglied zwischen Darmentzündung und Darmkrebs bilden.

Diese sogenannten Tumorfibroblasten fördern in entzündlicher Umgebung die Produktion und Freisetzung eines Schlüsseleiweißes und Wachstumsfaktors namens Epiregulin, das das Darmkrebswachstum aktiv beschleunigen kann.

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen der westlichen Welt. Eine gute Heilungschance besteht trotz Fortschritten in Diagnostik und Therapie nur bei Diagnose im Frühstadium. Chronische beziehungsweise häufig wiederkehrende Darmentzündungen bilden einen Risikofaktor für das Auftreten von Darmkrebs. „Ausgangspunkt unserer Arbeit waren umfangreiche Tumorgewebe-Analysen, bei denen die Aktivität sämtlicher Gene in verschiedenen Typen von Dickdarmtumoren automatisiert untersucht wurde. Dies führte zunächst zu einer langen Liste an potenziell interessanten Kandidatengenen, mit denen wir weitere Analysen durchführten“, beschreibt das Forscherteam die Frühphase des Projekts. „Im Verlauf mehrten sich die Hinweise auf eine wichtige Rolle von Epiregulin für das Darmkrebswachstum“, so die Wissenschaftler. Die neuen Erkenntnisse überraschten, da bis dahin nur bekannt war, dass ein Fehlen von Epiregulin Entzündungsreaktionen im Darm verschlechtert. Somit wäre zu erwarten gewesen, dass eine erhöhte Produktion von Epiregulin das Tumorwachstum eher hemmt als fördert.

Durch die Kooperation der Erlanger Darm-Forscher mit Wissenschaftlern in Bayreuth, Mainz, München und North Carolina (USA) gelang es schließlich nach mehrjähriger Arbeit, die funktionelle Bedeutung von Epiregulin für die entzündungsabhängige Tumorentwicklung klar herauszuarbeiten: Die Forscher entdeckten einen molekularen Mechanismus zwischen Darmentzündungen und entzündungsabhängigem Darmkrebswachstum. „Unsere Laborergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass Epiregulin eine Doppelrolle spielt. Einerseits unterstützt es die gute Wundheilung im Darm bei geschwürigen Entzündungsreaktionen, andererseits fördert es das Wachstum von Darmkrebs“, erläutern Doktor Clemens Neufert und Professor Markus F. Neurath.

Zusätzlich gelang es den Forschern, den entscheidenden Zelltyp zu identifizieren, der für die Produktion von Epiregulin verantwortlich ist: Hierbei handelt es sich um Bindegewebszellen, sogenannte Tumorfibroblasten. Diese sind in entzündlichem Milieu in der Lage, große Mengen von Epiregulin zu produzieren und sogar andere Zellen zur Produktion des Wachstumsfaktors anzuregen. Jetzt hoffen Neufert und Neurath, dass sich auf der Basis ihrer Forschungsergebnisse die therapeutischen Möglichkeiten für die medikamentöse Darmkrebsbehandlung verbessern lassen.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg