Das "geflickte" Herz

Das Rattenherz lässt sich flicken
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Prof. Dr. Stefan Dhein untersuchte spontan kontrahierendes Gewebe an Ratten. Dieses wurde durch Zellkultur aus einzelnen Zellen des neugeborenen Rattenherzens gezüchtet. Die liegen in Ringform vor. Mehrere dieser Ringe werden dann sternförmig zusammengebunden und auch diese entstandene Fläche pulsiert. Und die wird bei erwachsenen, an einem künstlich ausgelösten Infarkt 'erkrankten' Ratten wie ein Flicken über die geschädigte Stelle genäht.

Um zu untersuchen, inwieweit sich das künstliche Gewebe integriert, wurden die Ratten vier Wochen nach der Implantation getötet, deren Herzen aber in Nährlösung am Schlagen gehalten. Über vier winzige Platten bedecken 256 Elektroden fast die gesamte Herzoberfläche, auch die mit dem künstlichen Gewebe überzogene Stelle. Das so mögliche umfassende 256-Kanal-EKG maß, wie die das Herz zum Schlagen treibenden elektrischen Reize sich über die Oberfläche des Muskels ausbreiteten.

Die Messergebnisse von Prof. Dhein belegen, dass das EHT sich in die das Herz überziehende Wellenfront einfügt und die elektrischen Signale nahezu unverändert weiterleitet.

Auf eine baldige Anwendung dieser Erkenntnisse in der Humanmedizin kann dennoch niemand hoffen. Zum einen, weil selbst bei den Versuchen an den Ratten noch viele Fragen offen sind. So untersuchen Prof. Dhein und seine Hamburger Kollegen derzeit, wie sich das künstliche Herzgewebe entwickelt, wenn es länger als die bisher untersuchten vier Wochen auf dem Herzen liegt. Möglicherweise besteht die Gefahr der Vernarbung und damit der Funktionsaufgabe.

Zum andern sind für den Einsatz am Menschen einige Ansatzpunkte nicht möglich. "Aus ethischen Gründen kommen embryonale Stammzellen oder Herzmuskelzellen für die Gewebezucht nicht in Frage", erläutert Prof. Dhein. "Wir müssen also nach einer anderen Zellquelle suchen. Ob die Stammzellforschung hier irgendwann nützlich sein könnte, ist noch unklar."

MEDICA.de; Quelle: Universität Leipzig