Die Pathogenese des plötzlichen Kindstods (Sudden Infant Death Syndrome: SIDS) ist nach wie vor nicht restlos geklärt, vor allem in Bezug auf die Risikofaktoren. Studien haben gezeigt, dass Säuglinge, die in einem eigenen Raum schlafen, ein höheres Risiko haben als Kinder, die bei den Eltern schlafen. Wenn Kinder, deren Eltern Raucher sind, im elterlichen Bett schlafen, haben auch sie ein erhöhtes Risiko. Gilt dies auch dann, wenn die Eltern Nichtraucher sind?

Genaueres sollte nun eine schottische Fall-Kontroll-Studie zeigen, in der 123 Fälle des plötzlichen Kindstods zwischen 1996 und 2000 untersucht und mit 263 Kontrollkindern verglichen wurden.

Offenbar, so das Ergebnis, steigt das SIDS-Risiko tatsächlich an, wenn Kinder mit ihren Eltern das Bett teilen. 52 Prozent der Kinder, die an SIDS verstarben, hatten die letzte Nacht ihres Lebens im Bett der Eltern verbracht. In der Kontrollgruppe nur 20 Prozent. Das relative Risiko liegt beim gemeinsamen Schlafen bei 2,89.

Besonders gefährdet sind Säuglinge, die jünger als elf Wochen sind. Bei ihnen steigt das SIDS-Risiko im Bett der Eltern um das 10,2fache. Ab der zwölften Lebenswoche nur noch auf das 1,07fache. Dieser eindeutige Zusammenhang zwischen dem gemeinsamen Schlafen und dem SIDS-Risiko galt sogar bei Eltern, die Nichtraucher waren und unabhängig davon, ob die Kinder mit der Brust gestillt wurden. Am höchsten ist das Risiko für jene Kinder, die zwischen den Eltern schlafen: nämlich 28,6fach höher!

Die Debatte darüber, ob es sinnvoll ist, Säuglinge bei den Eltern schlafen zu lassen, ist nach Ansicht verschiedener Experten damit nicht ausgestanden. Immerhin gibt es Hinweise darauf, dass diese Nähe auch positive Aspekte für das Kind hat.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Pediatrics 2005, Vol. 147, S. 32-37