Metastasen gelangen häufig auf hämatogenem Weg ins Gehirn. Meist sitzen die Primärtumoren in der Lunge oder in der Mamma. Auch Melanome können ins Gehirn streuen. Selbst wenn nur einzelne, kleine Metastasen entdeckt werden, ging man doch davon aus, dass es winzige mikrometastatische Absiedlungen im gesamten Gehirnbereich gibt. In der letzten Zeit wurde diese Vorstellung jedoch in Zweifel gezogen. Immer häufiger werden daher Patienten nur mit stereotaktischen Radiochirurgie (stereotactic radiosurgery: SRS) alleine ohne nachfolgende whole-brain radiation therapy (WBRT) behandelt. Dies auch im Hinblick auf die unerwünschten Wirkungen einer WBRT.

In einer multizentrischen, randomisierten Studie haben Wissenschaftler der Hokkaido University Graduate School of Medicine in Sapporo, Japan, 132 Patienten mit umschriebenen zerebralen Metastasen behandelt. Jede der ein bis vier Metastase war höchstens drei Millimeter im Durchmesser. Alle Patienten wurden mit sterotaktischer Radiochirurgie behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt danach noch eine WBRT.

Beim letzten Follow-up im April 2005 waren 57 Patienten aus der SRS-WBRT-Gruppe verstorben, dagegen 62 aus der Gruppe, die nur SRS erhalten hatte. Neurologische Todesursachen waren für 13 Verstorbene (22,8 Prozent) in der Kombinationsgruppe und zwölf Verstorbene (19,3 Prozent) in der SRS-Gruppe ausschlaggebend (p gleich 0.64).

Die durchschnittliche Überlebenszeit war in der SRS-Gruppe allerdings länger. Dieses Ergebnis ist erstaunlich und widerspricht der Ein-Jahres-Überlebensrate, die in der Kombinationsgruppe höher lag. Unter alleiniger SRS kamen nach zwölf Monaten auch häufiger Metastasen wieder als in der Kombinationsgruppe. Außerdem benötigte man seltener eine Salvage-Therapie, wenn zusätzlich zu SRS auch WBRT eingesetzt worden war.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association (JAMA) 2006, Vol. 295, S. 2483-2491