Das Lachen von Frauen untersucht

Lachen, um sich mitzuteilen
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Es ist nachgewiesen, dass Lachen eine therapeutisch positive Wirkung hat. "Frauen lachen nachweislich häufiger als Männer", erklärt die Linguistin Barbara Merziger. Und trotzdem wurde lautes, offenmundiges Lachen von Frauen lange als vulgär und als Zeichen sexueller Promiskuität gedeutet. Eine Vorstellung, die sich noch in den Benimmbüchern der 1960er Jahre niederschlägt.

Um die Gründe der heiteren Ausbrüche herauszufinden, untersuchte Barbara Merziger an der Freien Universität Berlin das weibliche Lachen in Gesprächen über Sexualität und Shopping. Neben dem unmittelbaren Kontext der jeweiligen Gesprächssituation, in der das Lachen erfolgte, spielten Kriterien wie Geschlecht, Alter, Status und Beziehungen der Personen eine maßgebliche Rolle.

Die Wissenschaftlerin befragte 34 Frauen zwischen 18 und 81 Jahren mit verschiedenen sozialen Hintergründen, sowie unterschiedlicher sexueller und politischer Orientierung. Dass es in dem Gespräch um Sexualität gehen würde, wussten die Frauen, nicht jedoch, dass ihr Lachverhalten untersucht werden würde. Die Interviews wurden mit Tonband und Videokamera aufgezeichnet.

In mühevoller Kleinarbeit transkribierte die Linguistin die geführten Gespräche und integrierte das Lachen als linguistisches Phänomen. Die Ergebnisse waren erstaunlich: "Ich war vor allem davon überrascht, wie differenziert und gezielt das Lachen von den Frauen eingesetzt wurde, um bestimmte Botschaften zu übermitteln. Lachen ist nicht zufälliger Ausdruck einer momentanen Laune, sondern es unterteilt Redebeiträge in verschiedene Abschnitte und sorgt somit für den reibungslosen Ablauf eines Gesprächs.“ Jedes Lachen wird besonders positioniert, um damit auf relevante Aussagen oder Themen hinzuweisen. Das Lachen der Frauen ist also keinesfalls Ausdruck weiblicher Unsicherheit oder Schamhaftigkeit, sondern es ordnet die Gesprächsbeziehung.

MEDICA.de; Quelle: Freie Universität Berlin