Das Stoffwechselprofil als unverwechselbarer Fingerabdruck

Foto: Computerbild

NMR-Urinspektrum: Am PC können
die einzelnen Stoffwechselprofile in
der Urinprobe durch die Kernmagnet-
resonanz-Spektroskopie exakt aus-
gewertet werden; © UMG

„Die Ergebnisse sind die ersten wichtigen Erkenntnisse im Rahmen der Spitzenforschung der individualisierten Medizin am Standort Greifswald“, so Studienleiter Professor Matthias Nauck. Bund und Land fördern bis 2014 das Forschungsprojekt GANI_MED (Greifswald Approach to Individualized Medicine) mit 15,4 Millionen Euro, um maßgeschneiderte medizinische Therapien zu entwickeln und klinisch zu erproben.

Mit der Studie wurde die erste große Reihenuntersuchung veröffentlicht, bei der Stoffwechselprodukte im Urin mithilfe der Kernmagnetresonanz-Spektroskopie untersucht und anschließend mit genetischen Daten abgeglichen wurden. „Das Ergebnis ist vergleichbar mit einem Röntgenbild“, erläuterte Nauck. „Wir erhalten einen unverwechselbaren Fingerabdruck vom Stoffwechselprofil des Menschen aus seinem Urin.“ Mittels dieser Technik bestimmten die Forscher 59 Stoffwechselprodukte in Urinproben von etwa 2000 Teilnehmern der Greifswalder SHIP-Studie und von 1000 Probanden der KORA-Studie.

„Die Daten aus dem Urin wurden zusammen mit den genetischen Informationen aus dem Blut der Probanden ausgewertet. Wir konnten dabei das Muster der Stoffwechselprodukte im Urin mit den Genen der Probanden in Verbindung bringen“, so Professor Karsten Suhre vom Helmholtz Zentrum München. Dabei identifizierte das Forscherteam fünf Genregionen, die in der Vergangenheit zum Teil bereits mit weitverbreiteten Erkrankungen der Niere (Niereninsuffizienz) oder des Herzens (Koronare Herzkrankheit) in Verbindung gebracht wurden.

„Insgesamt liefert die Studie wichtige neue Erkenntnisse über individuelle genetische Unterschiede in der Entgiftungsfunktion der Niere und deren Bedeutung für Volkskrankheiten. Wir wollen die Kernmagnetresonanz-Spektroskopie als schnelles und verlässliches Untersuchungsverfahren in der Labormedizin und Forschung etablieren, weil sie neue Potenziale für die individualisierte Medizin erschließt“, betonte Nauck. Die gemeinsamen Studien und Suche nach medizinisch verwertbaren Biomarkern für individualisierte Therapieansätze sollen fortgesetzt werden. „Mit dieser Methode werden sich künftig Risiken für bestimmte Erkrankungen aus dem Stoffwechselprofil des Menschen wesentlich genauer abschätzen lassen. Auf der Basis der Analyse können dann individuelle Therapien für die Patienten entwickelt werden.“

MEDICA.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald