Demenz-Patienten regional unterschiedlich versorgt

21.09.2015
Foto: Junge Frau legt alter Frau Arm um die Schulter

Zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September geben zwei Studien des Versorgungsatlas' Aufschluss über die Versorgung von Demenz-Patienten in Deutschland; ©panthermedia.net/ obencem

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben derzeit in Deutschland mehr als 1,4 Millionen Menschen mit Demenz. Bei etwa 200.000 Menschen wird die Erkrankung jährlich neu diagnostiziert. Zwei Studien des Versorgungsatlas aus den Jahren 2014 und 2015 geben Einblick in die Versorgungsrealität dieser Patienten.

Die Häufigkeit demenzieller Erkrankungen ist auch bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Altersstruktur regional unterschiedlich verteilt: Über dem Bundesdurchschnitt liegen die Krankheitsraten in den neuen Bundesländern, unterdurchschnittlich sind die Raten zum Beispiel in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein.

Auch beim Einsatz diagnostischer Maßnahmen zeigen sich Unterschiede, abhängig vom Wohnort sowie Alter und Geschlecht der Patienten. Demenz-Patienten erhalten - ebenfalls regional unterschiedlich - selten spezifische Medikamente ("Antidementiva") und unerwartet häufig "Antipsychotika", die ausschließlich Begleiterscheinungen der Demenz dämpfen. Hier besteht Optimierungsbedarf.

Eckpunkte der Studien zum Thema Diagnose bei Demenz-Patienten:

- Im Untersuchungsjahr 2009 wurden anhand der ambulanten Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen knapp eine Million Demenz-Patienten im Alter ab 60 Jahre identifiziert. Die Studienpopulation umfasste 133.644 neu erkrankte Demenzpatienten, die zu Hause lebten.

- Frauen waren insgesamt häufiger betroffen als Männer, insbesondere in den höheren Altersklassen.

- Die alters- und geschlechtsstandardisierten Raten variierten nach Regionen: überdurchschnittliche Krankheitsraten wurden fast durchgängig in den neuen Bundesländern beobachtet, während insbesondere Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein durch unterdurchschnittliche Raten auffielen.

- Testpsychologische Verfahren im Jahr der Erstdiagnose wurden bei 34 Prozent der Patienten eingesetzt. In Berlin, Sachsen und Bremen lag dieser Anteil unter 30 Prozent und in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen über 40 Prozent.

- Eine Labordiagnostik erhielten im Mittel 79 Prozent der Patienten. Spezifische Blutuntersuchungen wurden jedoch nur bei 39 Prozent bzw. 8 Prozent der Patienten veranlasst.

- Bildgebende Verfahren kamen bei 18 Prozent der Patienten zum Einsatz - in den alten Bundesländern und in städtischen Regionen tenden­ziell häufiger als in den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen.

Zur Behandlung der Demenz-Patienten:

- Einem Viertel der Demenzpatienten verordneten Ärzte mindestens einmal pro Jahr ein Antidementivum. Patienten mit einer Alzheimer-Demenz erhielten ein solches spezifisches Medikament erwartungsgemäß häufiger.

- Werden Patienten von Fach- und Hausarzt gemeinsam betreut, erhält fast die Hälfte (48 Prozent) ein Antidementivum. Behandelte der Hausarzt hingegen allein, war die Verordnungsrate nur halb so hoch.

- Frauen haben eine um 19 Prozent geringere Chance, ein Antidementivum zu erhalten, aber eine um 74 Prozent höhere für ein Antidepressivum.

- Bei Männern sind die Verordnungsraten ab dem 70. Lebensjahr generell höher als bei den Frauen. Die Ursachen dafür liegen auch im Bereich der sozialen und familiären Rahmenbedingungen.

Diagnostische Verfahren liefern insofern wichtige Informationen zur Feststellung der Art und des Schweregrades der Demenz sowie der darauf aufbauenden therapeutischen Maßnahmen. Zur optimalen Versorgung von Demenzpatienten sollten darum mehr Patienten vom Einsatz dieser Verfahren profitieren. Die Angehörigen der Patienten spielen beim Zeitpunkt der ärztlichen Diagnosestellung und bei den Therapieentscheidungen oft eine wichtige Rolle.

Vertiefte Untersuchungen sind nach Ansicht der Studienautoren erforderlich, um die Ursachen für diese beobachteten Unterschiede zu identifizieren. Unabhängig davon besteht aber schon heute bei der medikamentösen Therapie ein klarer Optimierungsbedarf.

MEDICA.de; Quelle: Versorgungsatlas

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