Das schafften sie mit Hilfe eines neuartigen Kontrastmittels für die Magnetresonanz-Tomographie. Ihre Arbeiten können dazu beitragen, dass sich Verletzungen peripherer Nerven künftig besser behandeln lassen.

Im Bereich von Gehirn und Rückenmark sind neuronale Verletzungen irreparabel. Dagegen können die Nervenfasern im peripheren Nervensystem nachwachsen. In diesem Fall gehen die Lähmungserscheinungen nach einiger Zeit zurück.

Das geschieht aber sehr langsam, denn die Nervenfasern wachsen pro Tag nur etwa einen Millimeter. Wird zum Beispiel im Bereich des Beckens ein Nerv verletzt, der den Unterschenkelmuskel versorgt, dann kann es Jahre dauern, bis eine Besserung eintritt. Hinzu kommt, dass die Ärzte in dieser Zeit mit anderen Methoden nicht ausreichend sicher beurteilen können, ob der Nerv wirklich nachwächst oder ob er durch ein Auseinanderklaffen seiner Enden im Wachstum behindert wird. Dann wäre ein frühzeitiges neurochirurgisches Eingreifen erforderlich.

Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) konnten Wissenschaftler nun erstmals experimentell im lebenden Organismus dem Nachwachsen geschädigter Nerven zusehen. Möglich wurde dieser Fortschritt durch das neuartige Kontrastmittel Gadofluorine M. Wird das Mittel intravenös verabreicht, dann sammelt es sich ausschließlich in geschädigten Nervenabschnitten an und lässt diese in den MRT-Bildern weiß aufleuchten. Wenn die Nerven bei ihrer Regeneration auswachsen, verschwindet das Mittel. Verharren sie aber im Zustand der Schädigung, weil die Enden der Nervenfasern auseinander klaffen und darum keine Orientierung mehr haben, so bleibt das Kontrastmittel über lange Zeit im Nerv erhalten. Damit lässt sich erstmalig der aktuelle Stand des Nervenwachstums räumlich und zeitlich exakt bildlich darstellen.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Neurology 2005, Vol. 57, S. 388-395