Den genetischen Ursachen von Herzklappenfehlern auf der Spur

Foto: Herzmodell mit Stethoskop

Forscher aus Amsterdam, Newcastle
und Berlin finden Genmutationen bei
Ebstein-Anomalie; © Edwin Verin

Bei der Ebstein-Anomalie ist die Herzklappe zwischen rechter Herzkammer und rechtem Vorhof fehlgebildet. Da die Herzklappe nicht richtig schließt, ist die Herzfunktion eingeschränkt. Einige Patienten mit Ebstein-Anomalie leiden zusätzlich an einer Herzmuskelerkrankung, in der Fachsprache Linksventrikuläre Noncompaction (LVNC) genannt. Diese Erkrankung ist mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod oder eine Herzmuskelschwäche verbunden.

Vor wenigen Jahren hatten Professor Ludwig Thierfelder und Doktor Sabine Klaassen (MDC) bei LVNC-Patienten Mutationen in drei verschiedenen Genen entdeckt, die die Baupläne für Muskelstrukturproteine enthalten. Diese Proteine sind wichtig, damit das Herz sich zusammenziehen und das Blut durch den Körper pumpen kann. Eines der Gene, bei denen die Forscher Mutationen nachgewiesen hatten, ist das Gen MYH7. Mutationen in diesem Gen führen dazu, dass schwammartiges Muskelgewebe in die linke Herzkammer hineinragt und die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt.

Diese Erkenntnisse nahmen Forscher aus den Niederlanden und Großbritannien zum Anlass zu untersuchen, ob zwischen der Ebstein-Anomalie, der LVNC und den Mutationen in dem Gen MYH7 ein Zusammenhang besteht. In einer multizentrischen Studie untersuchten sie 141 nicht miteinander verwandte Patienten mit Ebstein-Anomalie aus den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien auf Mutationen in MYH7. Bei acht Studienteilnehmern identifizierten die Forscher Mutationen in diesem Gen. Davon hatten sechs Patienten neben der Ebstein-Anomalie auch die Herzmuskelerkrankung LVNC.

„Aus diesen Ergebnissen schließen wir, dass eine Mutation zu unterschiedlichen angeborenen Herzerkrankungen führen kann. Sie können sogar gleichzeitig auftreten, wie hier die Ebstein-Anomalie und die LVNC“, erklärt Klaassen. „In diesen Fällen empfehlen wir die kardiologische und genetische Untersuchung weiterer Familienmitglieder, da grundsätzlich das Risiko für Herzrhythmusstörungen oder Herzversagen bei Mutationsträgern auch ohne erkennbaren angeborenen Herzfehler erhöht ist. Je früher Veränderungen im Bauplan der Strukturproteine des Herzens erkannt werden, desto besser: engmaschige Kontrollen, Langzeit-EKG und medikamentöse Behandlung sind auf diese Weise frühzeitig möglich. Das bedeutet, dass Ärzte ihre Patienten besser beraten und auch behandeln können.“


MEDICA.de; Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch