Der Mensch lernt im Schlaf

Schlafen macht scheinbar schlau
© Klaus Siebahn

"Da muss ich erst einmal eine Nacht drüber schlafen!" Was manchen wie ein unnötiges Aufschieben von Entscheidungen oder Taten dünkt, ist in Wahrheit ein sinnvoller Mechanismus. Denn der Körper nutzt den Nachtschlaf nicht nur, um sich zu regenerieren, sondern auch um Erlebtes und Erlerntes dauerhaft zu speichern.

Und mehr noch: Beim Aufbau des Langzeitgedächtnisses wird im Kopf aufgeräumt, nicht selten mit dem Ergebnis einer zündenden Idee am nächsten Morgen. Diese Zusammenhänge konnte der Neurobiologie Professor Dr. Jan Born vom Institut für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck jüngst in Versuchen im Schlaflabor nachweisen.

Tagsüber fungiert das Gehirn als Sammelstelle von Daten; nachts, wenn der beständige Input an Eindrücken und Informationen versickert, kann es sich auf das Sortieren und dauerhafte Archivieren umstellen. Wie unser Hochleistungsrechner im Kopf diesen Datentransfer bewältigt, fand Born heraus, indem er bei freiwilligen Versuchsteilnehmern neurophysiologische und kognitive Untersuchungen zur Gedächtnisbildung durchführte.

So konnte er unter anderem beweisen, dass an der Gedächtnisbildung so genannte Deltawellen beteiligt sind: langsam oszillierende elektrische Signale, die das Gehirn im Tiefschlaf aussendet. Wurden diese bei den Probanden über Elektroden verstärkt, schnitten die Testpersonen am nächsten Tag deutlich besser im Gedächtnistest ab als die unbeeinflussten Schläfer.

Die Lübecker Neurowissenschaftler prüften das Konzept der Gedächtnisbildung in einer Studie mit 66 freiwilligen Versuchsteilnehmern, die aus einer vorgegebenen Zahlenreihe eine neue Ziffernfolge ableiten sollten. Bei dieser Aufgabe waren mehrere Lösungen möglich, von denen ausgerechnet die einfachste auf den ersten Blick nicht zu erkennen war. Erst nach acht Stunden Schlaf fanden die Prüflinge des Pudels Kern. Nachtschwärmer hingegen blieben erfolglos: Ihnen fehlte ganz offensichtlich der segensreiche Tiefschlaf, der über Gedächtnisbildung zu neuen Einsichten führen kann.

MEDICA.de; Quelle: VolkswagenStiftung