Der Teufelskreis vom Stürzen in älteren Menschen

Roberta Newton, Professorin für physikalische Therapie am College of Health Professions in Temple fand heraus, dass die Angst zu stürzen Hand in Hand geht mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und einem verringerten Gleichgewichtssinn und Stabilität.

"Je besser wir verstehen, was die Furcht vor dem Hinfallen auslöst, desto eher können wir verhindern, dass Stürze überhaupt passieren", sagt Newton. Denn wenn ältere Menschen stürzen, erhöht sich nicht nur extrem die Verletzungsgefahr, sondern es ist auch potenziell tödlich. Handgelenks- und Hüftbrüche und Kopftraumata führen dabei die Liste der Verletzungen an. Nach Ansicht der Zentren für Krankheitsbekämpfung und Vorbeugung kommen in den USA stündlich 183 Senioren mit Verletzungen, die durch Stürze verursacht wurden, in die Notaufnahme. Einer dieser Patienten stirbt an den Folgen des Hinfallens.

Und daher umfasste die Studie der Temple University 204 ältere Personen, die aus einem Notaufnahmebereich entlassen wurden. Im Durchschnitt waren die Teilnehmer 76 Jahre alt und zum Großteil afrikanisch-amerikanisch (89 Prozent) und weiblich (75 Prozent). Newton untersuchte soziodemographische Parameter, Aktivitäten im Alltag, Gleichgewicht, Mobilität, Stabilität und Durchhaltevermögen. Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass jene, die schon einen Sturz zu Hause oder im Altenheim erlebt hatten, einen Angstlevel bis zu 75 Prozent hatten.

Die Sorge vor einem Sturz betrifft sowohl ältere Menschen, die schon mal gefallen waren, als auch jene, die noch nie stürzten. Die Angst kann dazu führen, dass Senioren und Pflegepersonal Aktivitäten unnötigerweise beschränken. Das wiederum schwächt Kraft und Stabilität der Betroffenen, was dazu führen kann, dass diese schneller stürzen. Während Forscher sich nicht sicher sind, was eigentlich erst kommt - die Angst oder die physikalische Inaktivität -, so sind sie überzeugt, dass die beiden Phänomene zusammenhängen.

"Es ist sehr wichtig für uns zu erkennen, dass ältere Menschen Angst haben hinzufallen, aber gleichzeitig auch zögern, von Stürzen zu berichten, weil sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren möchten", sagt Newton. Und daher empfiehlt die Wissenschaftlerin zu angenehmen sportlichen Aktivitäten, die auf der einen Seite Stürzen vorbeugen können, aber gleichzeitig die Angst vor eben diesen reduzieren. Newton hat mittlerweile eine Anzahl von Tests entworfen, die das Risiko eines Sturzes analysieren, und Interventionen, um Stürze zu vermeiden.

MEDICA.de; Quelle: Temple University College of Health Professions