Der Ton macht die Musik

Foto: Frau telefoniert

Beim Telefonieren spielt die Sprach-
melodie eine wichtige Rolle; © SXC

Im täglichen Miteinander spielt die korrekte Interpretation der Sprachmelodie eine zentrale Rolle, vor allem wenn keine visuelle Information zur Verfügung steht. Frühere Bildgebungsstudien konnten belegen, dass stimmsensitive Areale der Hörrinde stärker auf emotionale als auf neutrale Reize ansprechen. Jedoch ist dieser Zuwachs für alle Emotionen nahezu gleich, so dass es unmöglich ist anhand dieses Aktivitätsanstiegs mit konventionellen Analysen eine spezifische Emotion zu identifizieren.

In einer aktuellen Studie wurden den Probanden während der funktionellen Kernspinuntersuchung Pseudoworte vorgespielt, die entweder in fröhlichen, ärgerlichen, neutralen, erleichterten oder traurigen Tonfall gesprochen wurden. Danach wurde die gemessene Aktivierung der Hörrinde mittels Mustererkennungsanalysen ausgewertet.

"Während konventionelle Methoden jeden Punkt im Gehirn isoliert betrachten, verfolgten wir einen Ansatz, der das gesamte Aktivierungsmuster mit einbezieht. Man kann sich das in etwa so vorstellen: Sitzt man vor einem Puzzle aus schwarzen und weißen Teilen kann man kaum entscheiden, ob sie zu einem Zebra oder einem Schachbrett gehören. Setzt man die Teile jedoch korrekt zusammen, ist dies relativ einfach möglich" erklärt Doktor Ethofer von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen. Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass jede Emotion gegen alle anderen Alternativen erfolgreich abgegrenzt werden kann.

Künftige Studien könnten ähnliche Ansätze wie in der aktuellen Studie verfolgen, um zu untersuchen, ob diese Defizite auf beeinträchtigte Aktivitätsmuster der Hörrinde zurückzuführen sind, oder ob sie auf einer Störung von frontalen Hirnarealen beruhen, die dann zu einer fehlgeleiteten Beurteilung führen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Tübingen