Virologie: Der Ursprung des Hepatitis C Virus

26.06.2013
Foto: Hepatitis C Viren

Infektionen mit Hepatitis C Viren können zu schweren Leberschädi-
gungen führen; © panthermedia.net/
luk Cox

Ein internationales Forscherteam unter Federführung von Virologen des Bonner Universitätsklinikums hat in einer aufwendigen evolutionsbiologischen Studie die mögliche Herkunft von Hepatitis C Viren in Nagetieren und Fledermäusen ausgemacht.

Mit diesem Befund ergeben sich neue Ansätze für die Entwicklung eines Tiermodells, das dringend zur Entwicklung eines Impfstoffs gebraucht wird.

Infektionen mit Hepatitis C Viren können zu schweren Leberschädigungen führen. „Diese Infektionskrankheit gehört zu den großen Killern auf der Welt“, sagt Erstautor Doktor Jan Felix Drexler vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Weltweit sind etwa 185 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert, in Deutschland sind es mehrere Hunderttausend. Der Erreger wird vor allem über das Blut übertragen. Bislang gibt es zwar Therapien, aber keine Möglichkeit, sich durch eine Impfung vor einer Infektion zu schützen. „Bisher ist die Impfstoffentwicklung vor allem daran gescheitert, dass kein einziges Labortier mit Hepatitis C zu infizieren war“, berichtet Professor Christian Drosten.

Die Herkunft des Erregers lag im Dunkeln. Unter Federführung der Virologen des Bonner Universitätsklinikums forschte ein internationales Wissenschaftlerteam weltweit nach dem Ursprung des Hepatitis C Virus. In einem bislang nicht erreichten Umfang nahmen die Forscher Proben von insgesamt 4770 Nagetieren und 2939 Fledermäusen. „Sowohl Nager als auch Fledermäuse leben in Kolonien mit engem Kontakt der Tiere zueinander, wodurch Infektionen begünstigt werden“, sagt Drexler. Da auch Haustiere als eine Quelle für die Viren vermutet wurden, testeten die Wissenschaftler außerdem 210 Pferde sowie 858 Katzen und Hunde.

In den Nagetieren stießen die Forscher auf zahlreiche Varianten an Hepatitis C verwandten Viren. In den Fledermäusen fanden die Virologen Antikörper gegen den Erreger. „Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich diese Virusfamilie im Lauf der Evolution in Kleinsäugern entwickelt hat und dann möglicherwiese auf den Menschen oder andere Tiere übergesprungen ist“, fasst Drexler die Resultate zusammen. Bei Hunden und Katzen wurden keine Viren gefunden, wohl aber bei den untersuchten Pferden. „Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass diese Viren eine direkte Gefahr für den Menschen darstellen“, erläutert Drexler.

Die Forscher sehen nun die Chance, mit ihren Ergebnissen die Grundlage für die Entwicklung eines Impfstoffs geschaffen zu haben. Die Befunde geben den entscheidenden Hinweis, wie man möglicherweise zu einem Tiermodell für die Infektion kommen und daran Impfstudien durchführen könnte. „Die Nagetiere, in denen wir das Virus gefunden haben, lassen sich gut im Labor halten“, sagt Drosten. Zudem verursachen die Viren in Nagetieren ebenfalls eine Infektion der Leber, ähnlich wie das Hepatitis C Virus beim Menschen. Insbesondere Rötelmäuse, in denen besonders viele Hepatitis C verwandte Viren gefunden wurden, sind schon in vielen Laboren vorhanden. Das liegt unter anderem daran, dass diese Tiere in Deutschland auch für andere Viren von Bedeutung sind, zum Beispiel Hantaviren.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn